Nach guter, ALTER (haha) Tradition schreibe ich den letzten Blogeintrag in good old Germany, JETZT NEU! MIT Umlauten!!!
Also: Bolivien sind wa fast durchjerannt, da blieb trotz der straffen Planung noch Zeit fuer spontane 2 Tage in La Paz, der gefuehlten Hauptstadt Boliviens. Gesund und munter hatte ich beim letzten Mal geschrieben, was auch eher geprahlt waere, denn Tom hatte mit fiebriger Erkaeltung zu tun und wir beide hatten - pulga pulga trallala - mit blinden Passagieren zu kämpfen, die uns jeden Tag ein paar neue rote Punkte auf dem Hautbildschirm bescherten. Recherchen via Internet als auch Besuch in einer Klinik haben unsere Hoffnung auf Bekämpfung nicht unbedingt geschürt, denn alle konnten nur Haushaltstipps geben wie "Sachen in die Sonne legen und ausschütteln" oder "sie gehen von alleine irgendwann weg von Menschen"- IRGENDWANN???? Was bitte schön soll das heißen? Nun gut, letztendlich waren wir sie wirklich IRGENDWANN los, so nach einer Woche und alles komplett durchwaschen und getrennten Betten und so.... Die Rezeptionsdame in einem Hotel schaute etwas verwirrt, als wir auf die Frage "Zimmer mit Ehebett?" uns erst ansahen und ihr dann wie aus der Pistole ganz wild entschlossen, lautstark und fast angewidert "No! No, no!" entgegenwarfen. Doch nun ein Wort zu La Paz: eine pulsierende Stadt, in einem landschaftlichen Kessel auf bis zu 4 km Höhe, leicht chaotisch, doch streckenweise auch ziemlich organisiert und ordentlich. Auf jeden Fall ziemlich modern, in den reicheren Gegenden überraschen Wolkenkratzer und westliche Geschäfte. Im Zentrum ist jedoch alles wie gewohnt: auf dem Bürgersteig sitzen die Frauen und verkaufen Fisch und Fleisch aus'm Karton (frisch?) , Blumen, Kräuter und Obst/Gemüse. Die Straßen sind vollgestopft mit Autos, das Beste hier sind davon die Dodge-Busse, die würden bei uns ein Vermögen wert sein, und dort sind sie Alltag... einen von den vielen dort angebotenen getrockneten Lamaföten (werden dort vor der Haustür vergraben, um Glück zu bringen) haben wir nicht mitgebracht, konnten uns grad keinen vorstellen, der diesen Brauch hier praktizieren wollte. Aber wer doch interessiert ist und keinen anderen Weg zum Glück vermeint zu wissen, die gibt es also in La Paz auf dem Hexenmarkt.
Über katastrophale Straßen- waren es überhaupt Straßen?- fuhren wir durch die Nacht nach Uyuni, der Startpunkt zu einem Trip in die größte Salzwüste der Welt. Wenn wir uns bis dahin nicht den Bandscheibenvorfall gesichert haben sollten, so konnten wir es im Jeep beim 3-Tages-Ausflug nachholen... aber um direkt in diese Wüste zu kommen, gab es keinen anderen Weg. "Endlose Weißen" waren die Belohnung für stundenlanges Fahren. Ist schon beeindruckend und sieht eher aus wie ein riesiger zugefrorener See. Wenn man mal die anderen 20 Jeeps weglässt, die bei Besichtigungen oder Mittagspausen um einen herum standen und andere Touristen mitbrachten, dann war es doch ganz schön. Anderenfalls könnte man durchaus behaupten: SEHR touristisch. Aber was soll's, wir wollen es trotzdem sehen... Die Landschaft außerhalb der Salzwüste ist sehr öde und trocken- wie hier Lebensfreude aufkommen kann, ist mir ein Rätsel. Kein einziges Grünzeug, aber trotzdem haben sich Dörfer hierhergepflanzt, braune Häuser auf braunem Sand vor braunen Bergen... Obwohl!!! Hier haben die Berge teilweise 7 Farben, unser wortkarger Guide hat mal blicken lassen, dass dies aufgrund verschiedener Mineralien so sei. Neben bizarren Gesteinsformationen haben wir auch noch verschiedenfarbige (Grund siehe oben) Lagunen zu Gesicht bekommen, in denen sich hunderte von Flamingos tummelten- VIEL näher als auf Galapagos!!! Gefundenes Kamerafutter, so dass wir darüber fast unser Mittagessen vergaßen, das der Guide mitten in der Wüste aus dem Auto heraus kochte und uns mit den Worten "Jetzt ist alles schon kalt" noch mal extra an den Tisch bitten musste. Uups.
Einzige Unternehmung in Bolivien beendet, dann aber nix wie fix rueber nach Argentinien! Das Land des Steaks und des Weins- seit Tagen freuen wir uns auf diese Köstlichkeiten... Der Grenzübertritt war wie das Eintauchen in eine andere Welt- plötzlich und UNERWARTET ist man Europa einen Riesenschritt näher: alle Straßen sind rüttelfrei, hier stehen richtige Häuser und man friert sich trotz 30° C Außentemperatur den Hintern ab, weil man hier ja in Bussen und Gebäuden beweisen muss, welche Maximalleistungen Klimaanlagen so bringen... Furchtbar! In der zuerst angefahrenen Stadt Salta gibt es richtige Kaufhäuser, Fußgängerzonen, Supermärkte, Restaurantketten, Cafés... soso. Wir fühlten uns beide recht überrumpelt von der ganzen Zivilisation. Natürlich, es ist schön, mehrere Optionen für Nahrungsaufnahme zu finden, ohne große Angst vor Darmproblemen zu haben. Aber der Rest.... wir wollten noch nicht nach Europa zuück! Eines der leckersten Steaks des ganzen Urlaubs und ein netter Rotwein mitten am Hauptplatz der Stadt hat uns erstmal versöhnt. Und Kaffee gibt es hier auch endlich wieder ordentlichen! Na gut, wollen wir mal nicht zu hart ins Gericht gehen mit Europargentinien... Nach 2 Tagen haben wir dann auch genug Stadt und fahren in eine sagenhaft schöne Gegend namens Cafayate - die Stadt heißt so und der Weg dorthin ist umzingelt von Steinbergen mit unterschiedlichsten Farbschichten. Durch Erosion haben sich auch hier ganz wilde Gesteinsformationen gebildet wie Frosch oder Mönch, dass man manchmal doch denken könnte, hier hat eine Menschenhand heimlich nachgeholfen- doch der Guide streitet's ab. Wie dem auch sei, ein sehr schöner Ausflug in diese sogenannte Quebrada, gefolgt von einer stundenlangen Wanderung über Stock und Stein flussaufwärts bis zu einem gut 10 m hohen Wasserfall, an dem wir wie im Paradies baden konnten, nachdem wir in der Gluthitze schon FAST aufgegeben hätten, diesen blö.... Wasserfall zu finden. Denn DAS war mal wieder ein typischer Gesichtszug dieses Kontinents, laut Theorie und Hostalheini schien das ein total einfacher Weg dorthin zu sein. Als wir auf dem Weg dorthin aber eigentlich nur Gruppen plus Guide treffen, werden wir schon etwas misstrauischer. Und als uns diese Gruppen plus Guide auch noch versichern, dass es schwer zu finden und ein Guide zu empfehlen sei, ja, da spüren wir wieder, dass wir in Südamerika sind- jeder sagt wat anderet. Aber ist ja -wieder mal- gut gegangen und letztendlich ist aller Frust und alle Wut vergessen, wenn du dann in der malerisch gelegenen Wasserfallbadewanne sitzt und juchzt und eigentlich kaum begreifen kannst, wie schön das grad hier ist. Und dann ist man doch froh, dass man keine Gruppe und keinen Guide hat, die einen in der trauten 2samkeit stören... Das war erstmal der letzte Naturausflug, denn folgen sollten danach die Staedte Cordoba, Rosario und dann...: BUENOS AIRES!!! Cordoba ist laut Lonely Planet die Kulturhauptstadt des Landes, unserer Meinung nach nicht mehr Wert als 3 Std. Aufenthalt bis zur nächsten Busreise nach Rosario. Mit dieser Stadt verbinden wir - neben dem Geburtshaus von Che Guevara, das erinnert an ein Vielfamilienhaus in Berlin-Prenzlauer Berg - das Ende der diebesopferfreien Ära, denn beim Einsteigen in den Bus merke ich plötzlich, dass mein Rucksack offen ist und das Portmonee fehlt. Doch nicht nur das, denn nach kurzer Zeit wird klar, dass etwas viel Wertvolleres auch nicht mehr da ist: mein Tagebuch!!! Oh nein! Das ist ein herber Schlag und Toms Bemerkung, das wäre das Zweitschlimmste nach der Speicherkarte mit den Fotos ist zwar nicht aufbauend, aber wahr. Wir fragen in dem Laden, in dem wir kurz vorher noch waren, ob ich es nicht vielleicht dort.... aber natürlich nicht. Wir luken in verschiedene Mülleimer dieser Gegend, doch nix. Sch....! Sch....! Sch....! Verdammt- wir sind gerade ohne jegliche Energie und Motivation und Lust auf irgendwas. Noch in einen letzten Mülleimer gekuckt... und da! Die Tüte kenn ich doch! Aber da sind nur noch die Bonbons drin... DA! Da liegt mein Tagebuch im Müll, voller Emotionen, einsam und einfach weggeschmissen- daneben mein (leeres) Portmonee. Ich breche in Tränen aus vor lauter sich lösender Anspannung. Drei ältere Damen sprechen mich an, ob alles in Ordnung sei. Ich erzähle kurz und sie erzählen durcheinander ihre Klau-Erlebnisse und beschwören mich schlussendlich, ich solle gut aufpassen auf meine Sachen... is gebongt! Über dieses Glück im Unglück komme ich stundenlang nicht hinweg. Und über das Unglaubliche, dass auch ich beklaubar bin, OHNE es zu merken. 10 Sekunden unbeobachtet, schon sind die Langfinger am Werk.
Buenos Aires ist voll und laut, geschäftig laufen die Leute durch die Straßen, eine Großstadt eben. Bezeichnend ist hier die Menge und Dichte der schönen Altbauten, die eine Romantik in dem ganzen Gewusel ausstrahlen, dass man sich schon verlieben könnte. Und wenn man erstmal eine Tangoshow im urigen Stadtteil San Telmo gesehen hat- dann gibt es keinen schöneren Tanz auf dieser ganzen weiten Welt. Probleme gab es bei der Nahrungsaufnahme- das Preisniveau ist erschreckend hoch- also nix mit dem täglichen Steak... die Zeit des Erinnerungsstück-Kaufs war demzufolge auch vorbei. Aber sonst- schon ne tolle Stadt- vielleicht auch erst auf den zweiten Blick.
2 Stationen hatten wir noch: Die Wasserfälle von Iguazu und Rio de Janeiro.
Iguazu bezeichnet Tom als Höhepunkt seiner Südamerikareise, unsere Erwartungen wurden auch (wie selten!) tatsächlich mehr als erfüllt. Es ist gigantisch, diese Wassermassen und dieses riesige Areal live zu erleben. Und erst recht, wenn man sich einen Helikopterflug über den Nationalpark mit den Fällen leistet- DAS ist unvergesslich!!! Die fünf Tage waren fast ein bisschen kurz, man kann die Schlucht von der argentinischen und der brasilianischen Seite bewundern und jede der beiden Perspektiven ist absolut sehenswert! Von oben, von unten, rechts links- alle Aussichtspunkte haben uns begeistert. Und der anliegende Vogelpark hat unseren Tucanmangel vom Dschungel wieder wettgemacht. Uns sind Vögel, die an Menschen gewöhnt sind und auch ganz schön frech sind, nun doch lieber als scheue Exemplare, die man nur durch ein Teleskop still auf dem Baum sitzen sieht. Es gibt ja so unterschiedliche Tucanarten mit verschiedenfarbigen Schnäbeln!
Die letzten 5 Tage des Riesenurlaubs waren für Rio reserviert. Nach allen Berichten von anderen Touris ist es hier nur eine Frage der Zeit, bis du ausgeraubt wirst... doch das vorweg- wir haben noch alles mit nach Hause nehmen können! Ist ja fast so eine Art Sport, klaufrei durch die Stadt zu kommen. Aber die tags und nachts auf dem Bürgersteig schlafenden Obdachlosen sind hier sehr auffällig- sowas haben wir bisher nirgends gesehen. Das erstaunliche: sie schlafen nicht nur in ärmeren, sondern auch in gehobenen Wohngegenden. Man stelle sich Berlin-Charlottenburgs gute Adressen mit Menschen auf Kartonmatratzen auf Bürgersteigen vor!
Natürlich haben wir keine (wichtige) Sehenswürdigkeit Rios ausgelassen: den Zuckerhut betreten, die Christusstatue auf dem Berg Corcovado besichtigt, sogar ein Fussballspiel der hiesigen "Top"-Mannschaft Flamengo Rio d.J. im 100.000-Mann-Stadion besucht- wobei laut Fachkritiker Tom das Spiel nicht besser war als ein beliebiges von Hertha BSC. Schnell, aber plan- und ziellos... Und das bei einem so entscheidenden Spiel um die Meisterschaft! Aber die Fans waren unermüdlich und treu trotz Grützenspiel.
Das Beste in Rio waren und werden immer sein: der Strand und die Wellen!!! Das ist echt nix für Kinder, hier werden Erwachsene Plansch-Sportlern. Die Wucht, mit denen das Wasser einem die Beine wegreisst, wenn man nicht in Kampfesposition bereitsteht, ist der Hauch von Ahnung, was ein Tsunami bedeuten könnte... Es gilt also, die Technik des Wellenreitens ohne Brett zu beherrschen oder wenigstens durch die Wellen durchzutauchen und bei alledem so wenig wie möglich Salzwasser in die Nase zu bekommen. Trotz roten Augen und kratzender Kehle von soviel Salz, es fetzt tierisch und man will am liebsten gar nicht raus... DAS ist also die Copacabana... die (oder ein anderer der weißen Strände der Stadt) stand täglich auf dem Programm, genau wie das leckere kalte Agua de Coco aus (noch unreifen?) grünen Cocosnüssen, die frisch an der Strandbar aufgeschlagen und mit Strohhalm serviert werden. Und: Caipirinha, das Grundnahrungsmittel eines jeden Strandbesuchers....
Ein sehr schöner Abschluss unseres Südamerika-Urlaubs. Abends um 23 Uhr noch 28°C, und das im November... Und so sehr man sich zwischendurch auch nach Hause und nach diversen Annehmlichkeiten in Deutschland gesehnt hat, die Tränen in den Augen bei der Fahrt zum Flughafen bleiben nicht aus nach so langer Zeit in einer anderen Welt. Mit dem Bus durchreist man die Stadt von Süden nach Norden, mit den Gedanken den ganzen Urlaub von Norden nach Süden, die Erlebnisse mit Land und Leuten, die schönen und die doofen Momente. Die andere Mentalität und das Wurschteln jedes Einzelnen durch sein Leben und seine Umgebung mit den vorhandenen Mitteln. Die Unbeschwertheit trotz härterer Umstände und das zweckmäßigere und damit etwas unumständliche Denken der Leute, denn hier geht es nicht um Aktienwerte und Zinsen, nicht um Stil in Kleidung und Häusern, sondern hier geht es um satt werden und trocken bleiben...und ganz viel um Familie... Wenn man auch wahrlich nicht behaupten kann, dass DIESE Art zu leben das Nonplusultra wäre, so nimmt man einige Facetten doch zu Herzen und stellt sie dem europäischen, dem deutschen Standard gegenüber. Aber hierüber könnte man wohl ein alleinstehendes Buch schreiben. Das Fazit nach allem Denken und Erinnern lautet jedenfalls:
Verdammtes Südamerika, wir werden dich vermissen!
Donnerstag, 19. November 2009
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