Freitag, 24. Juli 2009

Zurueck aus dem Spreewald Suedamerikas

Die erste Woche OHNE Schule- welch eine Abwechslung, meine Herrschaften! 4 Wochen Sprachkurs sind nun schon LAAANGE vorbei und der Abschied war schon mit lachendem und weinendem Auge verbunden. Auch wenn jede Woche hier ein paar Leute kommen und gehen, so hat man doch mit einem oder anderen - nein kein intimes, aber doch schon innigeres bzw. sehr nettes "Verhaeltnis" aufgebaut und im Prinzip ist das ja der einzige Anlaufpunkt bisher gewesen- die Gastfamilie und die Schule. Und das war nun vor einer Woche finito- mit dem Zertifikat im Rucksaeckle habe ich mich mit Vero, einer "chica" ausm Muenchner Raum zusammengeworfen, um die entfernteren Orte zu erkunden- da haetten wir zum einen das Oekodorf Mindo (ja, auch hier haben sich solche Spezialisten versammelt...) mit einer sehr leckeren Saftbar. Gefuehrt wird diese von einer jungen Deutschen, die spontan (nach 6 Monaten) Suedamerikaurlaub entschlossen hat, dass ein Rueckflugticket nach Hause fuer sie keinen Sinn macht, die Eroeffnung eines Saftladens dagegen schon... und der ist echt eine Oase in Mindo. Die Visumfrage hat sie mit Ehelichung eines Ecuadorianers geklaert und lebt hier entspannt mit dem Hintergedanken, dass es ja in Deutschland mindestens Hartz IV gibt, wenn es mit dem Saftladen hier nicht mehr so laufen sollte. Clevere Tante... na, ich/wir bleiben ja hier in Suedamerika nur 5 Monate- ein Glueck!!! Aber nicht nur das ist ne Attraktion dort: auch ein ueber 10 m hoher Felsen nahe eines Wasserfalls, von dem sich tatsaechlich 3 Englaenderinnen in unbekannte Gewaesser stuerzen wollten. Auf meine Frage, ob sie schon mal jemanden gesehen haetten, der das vor ihnen gemacht (und ueberlebt) hat, antworten sie mit nein, aber sie haetten es im Reisefuehrer gelesen- haaaeeeeehhhhhh??? HOLA!!! Unter ihnen das quirlende Wasser, sie wussten nicht wie tief, wie kalt, wie felsig... mir war etwas mulmig und ich hatte (wiedermal) eine Sinnkrise- soll man Leute wie die einfach machen lassen oder am Arm zerrend zur Vernunft bringen? Hm. Ich war noch nicht ganz fertig mit meiner Krise, da kam tatsaechlich ein Einheimischer (allerdings in Neopren) und sprang ihnen was vor. Schluck. Und er tauchte auch lebend wieder auf. Schliesslich beschloss die erste zu springen, alle schrieen und als sie abgetaucht war, wars muxmaeuschenstill. ALLE kuckten ueber den Felsrand wie bei der Gervais-Obstgarten-Werbung, nachdem der "Bloedi" mit dem schweren Pudding oder sowas durch den Fussboden gekracht ist. Gluecklicherweise haben es alle (hintereinander) ueberlebt- aber der Gedanke, dass einer der Freundinnen etwas zugestossen waere, laesst mich jetzt noch schneller atmen. Nee, sowas bitte ohne mich. Das Schmetterlingsmuseum, das ist schon eher was fuer mich... und RAFTING!!!! Yeah- wie irre, wir haben in Baños (suedlich v. Quito) zu 7t im Schlauchboot gesessen und Ruderbefehle im (fuer Anfaenger) TOBENDEN Fluss entgegengenommen wie bei der Armee, aber es war genial! Gut, wenn man von der einen Situation mal absieht, dass wir fast ersoffen waeren, weil wir in einen klitzekleinen, aber nicht schlappen Wasserfall geraten sind, der uns das Wasser nur so ins Boot donnerte, so dass wir samt Boot bis zum Hals drinsteckten, aber ne Weile nicht mehr rauskamen, weil die (wenn man sie so nennt) Rueckstroemung einfach viel zu stark war. Minutenlang (gefuehlte Stunden) gab es keine Loesung fuer das Problem (umkippen, rausfallen, das lernste alles vorher, aber sowas... neee) ausser versuchen, oben zu bleiben, nicht allzuviel Wasser zu schlucken und Ruhe bewahren. Meine Stimme hatte sich auch schon leicht in die eines Feldsoldaten aufm Kriegsschauplatz verwandelt- versucht angreifend ohne zu wissen, welches Ende einem bevorsteht (na jedenfalls fast...). Durch vereinte Kraefte sind wir dann endlich raus aus dem Tumult. Wir sahen nur noch die entsetzten Augen der anderen Bootsfahrer- scheint also wirklich nicht im Programm gestanden zu haben. Ja, hier kriegt man noch was fuers Geld, hihi! Nee, wirklich unvergesslich.
Ein anderer Ausflug nach Otavalo (bekannt fuer seinen Handwerkermarkt) hat in mir eine Sucht verursacht- kaum hatte ich mein erstes Armband erfeilscht (und soooo guenstig!!!), hatte ich nur noch Augen fuer solche weiteren Kostbarkeiten. Ich denke, mein rechter Arm wird bei meiner Rueckkehr etwas muskuloeser sein von den ganztaegigen Stemmuebungen, den Armbandbatzen mit hochzuheben, wenn ich mit rechts irgendwas regeln will. (Ich uebertreibe natuerlich masslos, es sind naemlich erst 4 Stueck, allerdings bin ich auch noch 5 Wochen ohne ernsthaften Wirtschaftsminister unterwegs...).
Heute morgen bin ich gerade zurueck aus dem Dschungel. 4 Tage ohne Strom, Warmwasser (aber immerhin Wasser!) und in Haeusern ohne Waende (aber immerhin mit Dach) haben wir einen Gruenzeug-Schock hinter uns nach all den Tagen mit nur Stadt, Dreck und Laerm. Allzu viele Gruesse soll ich aber leider nicht ausrichten, denn leider haben sich unsere Tierbeobachtung auf wackelnde Baumwipfel (die angeblich mit den und den Aeffchen behangen gewesen sein sollten), Piranhas, 4 Papageien-Silhouetten (die total bunt gewesen sein sollen), 3 Schlangen (ja okay) und 30 cm Ruecken einer Delfinmama plus Kindchen beschraenkt. Gut, die beiden Faultiere waren fuer mich persoenlich das Highlight, denn die haben sich immerhin so langsam bewegt, dass wir sie ausreichend beobachten konnten. Ansonsten konnten die Ameisen, die wir zu Milliarden gesehen haben, auch sicher nicht schnell genug das Feld raeumen, um zu fliehen. Und die Tarantel in unserem "Speisehaus" hat sich auch nicht vor dem Blitzlichtgewitter gescheut. Aber der Dschungel ist nun mal kein Zoo und somit ist es fuer groessere Tiere wie Panther, noch mehr Affen und sowat echt eine Gluecksache. Glueck war auch, dass wir letztendlich doch noch nach Hause gefunden haben, nachdem wir uns samt Guide fuer ne knappe Stunde im Regenwald verlaufen hatten, weil der seinen ersten Tag in DIESEM Territorium mit uns hatte. Hat zwar immer versucht, kompetent zu wirken, aber selbst wir haben dann schnell mitbekommen, dass es gerade keinen Plan gibt, wieder zu unseren Haeusern zurueckzukommen... aber auch das ist unvergesslich und so haben wir ein sehr authentisches Get-lost-Gefuehl gehabt (das sich zeitlich noch im Rahmen hielt). Der Amazonas erinnert stark an Spreewald in gross und unaufgeraeumt, nur damit ihr mal ne Vorstellung habt - in ETWA. In den naechsten Tagen geht es an die Kueste. Mit dem Bus. Nach 12 h heute (aus dem Dschungel nach Quito) hab ich aber fuer heute und morgen erstmal genug vom Beineinknicken, lauten Chinadoofifilmen nachts um 12 und staendigen Polizeikontrollen (3 mal mitten in der Nacht waehrend EINER Fahrt!) mit Aussteigen, Rucksack auspacken und Passport zeigen. An die Kueste sind es nochmal gut 11 h, also allein Ecuador ist schon gross bzw. die Strassen so schlecht, dass man fuer 90 km 3 Std. braucht. Egal. ICH hab Zeit.

Seid ganz lieb gegruesselt und ich hoffe, bei Euch ist alles in Butter!
die Suse/Susi/Suselke/Sushi/Frau Westrich

Mittwoch, 8. Juli 2009

Schott(er)land Teil 1 + 2 (also alles)

P.S. hab jetzt mal beide Teile zusammengefaßt, damit es nicht zu unübersichtlich wird....

Nun will ich mal nicht schottisch sein und trag auch was in die Welt von Sushi ein.
Kurz bevor meine Suse den Abflug nach SA gemacht hat, sind ihr Italienbegleiter (man könnte auch sagen ihr Freund) und dessen Kumpel Tim zu den Inselbewohnern mit der großen Affinität zu Röcken aufgebrochen. War eigentlich ein cleverer Schachzug von mir, so hat die Suse mir am Flughafen LEBEWOHL gesagt und nicht umgekehrt. Letztendlich aber egal, denn schwer fiel der Abschied so oder so!
Wir hatten ein straffes Programm ausgearbeitet und nur 10 Tage Zeit, um es umzusetzen. Als erstes galt es, mit dem Mietwagen die Linksfahrerei zu verinnerlichen und von Glasgow nach Edinburgh zu gelangen. Auf einen Freitag Nachmittag ist das ein etwas längeres Unterfangen. Auf meinem Spickzettel standen mindestens 6 Dinge, die ich unbedingt dort machen wollte. Als wir aber im Hostel endlich eingecheckt hatten, war es schon fast 18 Uhr. Flugs überredete ich Tim (trotz der tägl. Parkgebühr von 9Pf) zu einem Verlängerungstag. Kurzum, wir habens nicht bereut, auch wenn die Schotten am Wochenende schon am frühen Nachmittag abgefüllt sind. Höhepunkte waren sicherlich die Besteigung des Arthur´s Seat mit wirklich toller Aussicht auf die Stadt und der mitternächtliche Moonwalk (Jacko lebte da noch) von ca. 10.000 Frauen, Mädchen oder als Frauen verkleidete Männer. Da wir auch einer schottischen Militärparade vor dem Edinburgh Castle beiwohnen durften, verzichteten wir auf die Besichtigung des Schlosses (und der damit verbundenen 13 Pf Eintritt..) Die Schlossbesichtigungen holten wir dann in Stirling (sogar größer) und am Loch Ness (Urquhart Castle) nach - letzteres bei wunderbarem Wetter. Auch gelang es uns, Nessi zu finden und das glaubwürdig zu beweisen - die aufgelobte
Belohnung von 10.000 Pf einer großen schottischen Brauerei war somit UNSERE. Leider kann man sich für Geld kein Wetter kaufen und so konnten wir die Dimensionen der Highlands höchstens erahnen. Sehr viele Wolken und Nebelschwaden behinderten die Sicht doch erheblich. Auch die geplante Zugfahrt mit der Harry-Potter-Eisenbahn fiel in den Nebel. Wir sind dann paralell zum Zug mit dem Auto gefahren, was eh cleverer ist, da die Aussicht AUF das berühmte Viadukt mit Zug viel schöner ist, als vom Zug nur herrunterzusehen.
An diesem Tag hab ich es auch getan und "Haggis" gegessen. Wer den Film "Armageddon" gesehen hat, dürfte wissen, was die Bestandteile dieser Delikatesse sind... erstaunlicherweise hat es sogar gut geschmeckt!
Weiter ging die Reise nach Norden mit dem Ziel, nach Orkney überzusetzen. Ursprünglich war das Tim´s Idee, nun moserte er aber rum, weil er befürchtete, dass er die Steinkreise und das Flachland doch eher langweilig finden würde. Ich hatte aber Feuer gefangen und deshalb einigten wir uns auf einen Ganztagestripp nach Orkney.

(ab hier steht die Fortsetzung!)
Als erstes mußten wir aus den verschiedenen Fährangeboten das BESTE heraussuchen. Wir haben uns dann für die nicht organisierte Tour entschieden, da es die einzige Möglichkeit war, an der Insel Hoy mit dem "Old Man of Hoy" vorbeizuschippern. Also mal schnell 30 Pfund (Equador-Preise sind das nicht) investiert und los gehts. Es folgt aber schnell Ernüchterung, aufm Wasser alles zugezogen und keine Sicht. Ich schreibe Tagebuch, Tim schläft. Plötzlich nehm ich nach ner guten Stunde mit den Augenwinkeln was Helles war... tatsächlich Sonne und schon taucht die Insel Hoy auf. Wir stürzten raus und trauen unseren Augen kaum.... es sieht traumhaft aus (und ich muss nun aus den 1000 Fotos eins für die Galerie auswählen,,,). Trotzdem wird die Kamera auch mal weggepackt, damit der Liveanblick nicht zu kurz kommt. Nur ein paar Minuten später hat uns der Nebel wieder vollständig verschluckt, das Schiff benutzt fleißig das Nebelhorn - gespenstisch. Auf der Insel Mainland wird als erstes das Steinhügelgrab "Maes Howe" besichtigt. Nix für
Klaustrophobiegeschädigte, der Eingang samt Tunnel ist ca. 1m hoch. Wir haben totales Glück, denn die Besichtigung ist eigentlich nur nach Voranmeldung möglich, der Guide nimmt uns aber trotzdem noch mit, bezahlen sollen wir danach - wie vertrauenswürdig wir doch sind...
Dann 2 Meilen zu den Steinkreisen "Stones of Stenness" (naja) und ne weitere Meile zum "Ring of Brodgar". Der ist wirklich beeindruckend, da sehr weitläufig und gut erhalten. Wir haben dann noch das Glück, kurz vor einer kostenlosen Führung anzukommen und den Ring daher für uns alleine zu haben! Auf der Rücktour ist die Insel Hoy noch beeindruckender. Wolkenschwaden fließen förmlich die Insel runter - die Insel sieht aus wie im alten King-Kong-Film...
Wir entschließen uns dann spontan aufs Highlander/Braveheart-Schloss zu verzichten und fahren Richtung Osten. Erstmal eine gute Entscheidung, da wir an einem Schloss mit Falknerei vorbeikommen. Vor lauter Freude über die in 15 Minuten beginnende Vorführung übersehe ich ne kleine Stufe und mache mir meinen schon vorgeschädigten Zehennagel wieder kaputt...Aua. Das Schloss und der dazugehörige Garten sind ein Traum und die Vorführung ist wirklich SUPER!!! Leider haben wir danach nicht mehr so viel Glück. In Glenfiddich kommen wir 5 min zu spät an - nix mit der kostenlosen Whiskytour. Danach wollen wir Craivigar Castle besichtigen, es ist bis zur Unkenntlichkeit eingerüstet. Als wir dann endlich an der Ostküste ankommen, ist der Anblick der Steilklippe mit Dunottar Castle trotz Wolkenhimmels ein versöhnender Abschluss. Nachts um 3 ist strahlender Sonnenschein aber anstatt wir Blödis schnell mit dem Auto nochmal hinfahren, warten wir bis 8 Uhr und da ist dann wieder alles zugezogen (Der frühe Vogel fängt den Wurm).... Letztes Ziel ist Loch Lomond, Tim will sind endlich mal erholen ;o) - allerdings gibts den von Tim erhofften tollen Mietcaravan nicht und auch das Wetter ist sehr bescheiden. So wird noch ein wenig in nicht sooo berauschender Landschaft gewandert. Mein Adrenalinspiegel steigt nochmal, als ich ein über den Baumwipfeln gespanntes Drahseil entdecke, an dem kreischende Menschen mit AFFENZAHN entlangpesen. Leider ist der Spass nur in Kombi mit einem komplett ausgebuchten Kletterwald zu haben.... ich bin total traurig.
Den Abschluss bildet Glasgow. Was soll ich zu dieser Stadt sagen; man kann hier 1a die Wirtschaftskrise spüren, denn jeder 2. Laden in der Innenstadt ist geräumt. Ansonsten sind wir froh, eine gemütliche Musikkneipe zu finden, um den Urlaub ausklingen zu lassen - muss ich mehr zu Glasgow sagen!?

Für Tim gehts am nächsten Tag zurück in die Heimat, ich düse nach London. Dazu brauch ich wohl nicht viel zu schreiben, ich war wohl der Einzige, der diese Stadt noch nicht besucht hatte... Ich mache 3 Tage Hardcorevisiting. Mit am beeindruckensten ist die London Bridge Experience-Tour mit den LondonTombs. Ich werde von den anderen 11en per Zeigefinger als "Anführer" ausgesucht (sprich: ich muss vorneweg gehen) und fühle mich irgendwann wie Bruce Willis - sah allerdings danach noch ganz brauchbar aus. Auch unterschrieb ich einen Vertrag bei Chelsea London und wurde bei meinem ersten Match gleich als "Player of the day" ausgezeichnet und mußte zur Pressekonferenz. Da mir der Rummel zu viel war, löste ich meinen Vertrag umgehend wieder auf. Ihr glaubt das nicht? Dann seht euch die Fotos an.

Das wars....






Montag, 6. Juli 2009

es gibt (immer) Reis, baby...

Die zweite Woche verging schon schneller als die erste. Mein Spanisch fruchtet so dermassen, dass ich zwar wie behindert langsam spreche und ICH solche Sprachschueler wie mich niemals aufnehmen wuerde, weil das Verstehen bestimmt megaanstrengend (weil eben so langsam) ist, aber immerhin sind Fortschritte zu erkennen und ich bin bisher immer (frueher oder spaeter) dort angekommen, wo ich wollte und habe auch noch keine Torte bestellt und Spinat bekommen oder so- also irgendwie laeuft es doch...hihi.
Neben der Schule finden ja nicht soooo viele Reisen statt, aber von einer muss ich doch berichten:
Am Wochenende unternehmen wir- meist die deutschsprachigen Schueler (zum erholen des Kopfes) einen Ausflug- am letzten Sonntag waren wir in Cayambe. Der Ort ist 1,5 Std. von Quito entfernt und die Reise dorthin mit dem Bus ist schon eine suedamerikanische Erfahrung: Der Bus -superbillig trotz RELATIVEN Luxus' (soll heissen keine Plastesitze, dafuer sogar Gardinen)-wird ziemlich vollgestopft, es stinkt nach Abgasen und ob die Bremsen noch so intakt sind, wie man sich wuenscht, bleibt offen. Angekommen, wollen wir den dortigen superbeliebten Stierkampf besuchen. Immerhin, 6 $ Eintritt fuer die oberen Plaetze, ist schon ein Preis fuer diese Gegend. Bevor es anfaengt, herrscht Stadionstimmung: Hotdogs, Zuckerwatte, Militaerblaskapelle und rummtata. Als das Pferd, auf dem der schoene Torrero sitzt, die Augen verbunden hat und schon auf der Strasse kotzt, wundern wir uns zwar ein bisschen, aber es ist doch alles so lustig gestimmt hier, was soll schon sein. Dann treten sie ein, die 6 eleganten Torreros, in saemtlichen Farben ihre Uniform tragend und sehr imposant. Der Stier- ein sportlicher Typ - macht seinen Job auch hervorragend, finde ich: Rennt los, macht ordentlich staub- sieht echt gut aus. Nach 10 min tritt der Torrero auf dem kotzenden Pferd ein und ich kann meinen Augen nicht glauben: Waehrend der Stier immer gegen das mit Metall geschuetzte Pferd (es hat die Augen immernoch verbunden) presst, sticht der Torrero mit einer Lanze mindestens fuer 30 Sekunden in den Nacken des armen Sportsfreunds und ruehrt darin rum, bis ein Stueck Fleisch lose an dessen Ruecken haengt!!! Ja, mir war auch schlecht und Ihr muesst das nur lesen- wir mussten das ANSEHEN!!! Vier von unseren 7 Leuten der Schule haben die Arena verlassen, weil wir so etwas nicht ankucken oder unterstuetzen. Ich muss sagen, ich hatte danach eine Sinnkrise mit mir und dem Rest der Menschheit. Wie koennen die Leute zum Spass Tiere so quaelen??? Aber vorher schoen in die Kirche gehen- da haette ICH kotzen koennen.
Ich war so angewidert, dass sich das auf den kompletten Eindruck von Suedamerika niedergeschlagen hat. Im Prinzip ist das nur ein klitzekleiner Fortschritt von den Arenakaempfen mit Gladiatoren im alten Rom...
Die Leute, die laenger geblieben sind, erzaehlten, dass in der Tat 2 Stiere abgemurkst wurden und noch 4 weitere folgen sollten. Ich bin ja dafuer, dass man dem Torrero die Augen verbindet und Stier und Pferd machen laesst. Ja, sorry. Mir kommts jetzt noch hoch.
Ein bisschen in den Kopf steigt auch der Dreck und der Gestank nach Abgasen hier in der Stadt. Wenn der Bus hier losfaehrt steigt eine schwarze Wolke aus dem Auspuff wie im Trickfilm, Wahnsinn. Dafuer haben sie hier eine Busspur, und die ist noch schaerfer durchgesetzt als von den Gruenen in Berlin: Die Busspur ist naemlich nicht durch eine Linie, sondern ein ca. 30cm hohes Maeuerchen getrennt vom restlichen Verkehr. Sehr hilfreich! Jede Busfahrt ist aber insofern immer wieder spannend, als das man nicht weiss, ob man mit allen Sachen, mit denen man eingestiegen ist, auch wieder rauskommt. Innerhalb einer Woche sind 3 Leute unserer Schueler beklaut worden: Handy, I-Pod, Kamera, noch'n Handy. Alles ist gefragt. Und die Leute sind hier schon echt arm. WIR leben ja im Reichenviertel, aber auch hier verkaufen Kinder in den Bussen Suessigkeiten, stehen jonglierend vor den Autos an der roten Ampel oder sitzen zusammen mit der Mutter, die was auf der Strasse verkauft. Deren Spielplatz ist der Buergersteig. Aber suess sind sie alle mit ihren fastschwarzen Knopfaugen- da moechte man am liebsten zur Kindergaertnerin in Quito werden. Aber keene Angst, da ja die Knopfaugen zu oft von der schwarzen Buswolke verdeckt werden, bleibe ich meiner Heimat treu!!!
Auf Wunsch einer einzelnen Dame in der Heimat moechte ich in DIESEM Reiseteil auch nicht verpassen, von dem Essen hier zu sprechen, wie die Ueberschrift schon vermuten laesst- denn es gibt hier taeglich Reis, Reis oder Reis. Wie eine unserer Lehrerin bemerkte: Eine Mahlzeit ohne Reis ist keine Mahlzeit. Aha. Ich bin ja da nicht so penibel, da sind die Amerikaner schon etwas konservativer: Eine aus unserer Klasse (USA) isst keine Sachen, die man nicht in der Mikrowelle fertig machen kann. Und die Fruchtverkostung am letzten Dienstag (fuer mich SEHR interessant und fast alles neu) war fuer unsere Amitante wohl ein einziger "Slimy"-Day! Sie hat zu allem immer nur "slimy!" gesagt und abgewehrt. Tja. Ich hau bisher alles rein. Wassermelonengrosse Papayas, Baumtomaten (suesslich), Maracuja und frische Litschi sind nur ein paar der Fruechte, die es hier gibt, alle anderen sind eher unbekannt, aber voll lecker!
So, jetzt ist aber Schluss. Fuer mich, denn IHR lest ja jetzt noch den Report aus Schotterland und geniesst die saftigen Bilder. Ich bin ja schon ein bisschen neidisch auf soviel Gruenzeug- hier ist alles staubgruen und sowieso viel karger, weil eben auch hoeher...
Seid gegruesst und gewiss, dass ich es mit Freuden erwarte, von Euch etwas zu hoeren. Denn ein halloele aus der Heimat ist doch das Leckerste, wo gibt...