Montag, 26. Oktober 2009

Peru...zweite Halbzeit!

"Smile! And don't look like a bulldog!"- waren Toms drastische erste Worte, die er in Cusco gegenueber einer Dame (!) fallen liess. Die "Freundschaft" zwischen ihm und dieser Angestellten unserer Busagentur begann schon kurz nach dem Einstieg, als Toms Sicherheitsgurt kaputt war, er darauf hinwies und sie ihn ganz laessig mit einem Knoten im Gurt abspeiste. Doch im Vergleich mit den darauf folgenden psychoterroristischen 10 Stunden Nachtbusfahrt, begleitet von ohrenbetaeubendem Geklapper einer lockeren Schraube irgendwo hinter der Verkleidung, das jedes Einschlafen kontinuierlich verhinderte, war die Sache mit dem Gurt ja Pillepalle. Jedenfalls hat die Frau nach diversen Diskussionen (in den Geschmacksrichtungen freundlich-bettelnd, eindringlich und agressiv) nicht einen Finger krumm gemacht, um dieses Problem zu loesen und Tom der Glueckspilz war nun derjenige, der genau dort sass, wo die Schraube am lautesten zu hoeren war. Dies war der Beginn unserer Cusco-Zeit. Danach wurde es ruhiger, kultureller und steinreicher. In und um Cusco gibt es ja unzaehlige (mehr oder weniger interessante) Inkastaetten. Und weil die Tourismusbranche auch hier nicht bloed ist, versammeln sie alle Eintritte auf einer Touristenkarte, die fuer teuer Geld zu kaufen ist und dann natuerlich auch abgearbeitet werden will... vergleichbar mit einem All-you-can-eat- Einheitspreis... Daher hatten wir taeglich gutes Programm, und da die groesseren Ruinen alle ausserhalb der Stadt liegen, waren die Ausfluege auch tagesfuellend. Sacsayhuaman, die einzig ohne Bus erreichbare Staette, ist eine bedeutende Festung (bzw. deren Reste) auf einem Huegel nahe des Zentrums von Cusco. Die Inkas haben die Stadt Cusco in Form eines (mehr oder weniger erkennbaren) Pumas gebaut, und die Festung oberhalb sollte den Kopf darstellen, so berichtete uns ein angehender, fast 25jaehriger Schamane. Ganz bezeichnend bei der Bauweise der Inkaanlagen und -mauern sind die riesigen Steine, die so geschliffen wurden, dass sie NICHT EINEN Klecks Moertel oder sowas benoetigten, sondern jeder Stein eine andere Form besass und so wie ein 3-D-Puzzle ineinander gesteckt wurden. DAS ist echt eine Kunst gewesen. Sogar diverse Erdbeben haben diese Mauern ueberstanden (allerdings nicht die spanische Invasion...)
So haben wir uns, bevor es dann natuerlich auch nach Macchu Pichu gehen sollte, schon vorher mit etlichen Steinhaufen beschaeftigt. Baeder, Plaetze fuer heilige Rituale, Wachanlagen oder Raststaette fuer Durchreisende (manchmal sind sich die Historiker eben auch nicht ganz einig)- wir haben fast alle gesehen. Und Peru ist eben immer noch ein Tobeplatz fuer die Geschichtsfetischisten. Das schoene fuer uns Laien hier ist vor allem, dass sagenhaft schoene Natur mit Geschichte gemischt ist. Riesige Bergketten, teilweise mit Gletscher behangen, bilden den Horizont, oft befinden sich ganze Doerfer auch ganz oben auf dem Berg mit Blick auf atemberaubende Kulisse. Klar, in Europa gibt es auch Bergdoerfer und Burgen... ja, auch wunderschoen. Und trotzdem sind die Berge in Suedamerika noch anders- viiiieeel groesser. Und obwohl wir nach all den Steinvisiten eher skeptisch waren, dass das so hochgelobte Machu Picchu so einzigartig sein soll- schliesslich ist es gleichzeitig ein Ort mit ueber 2000 Touristen am Tag, was einem schon die mystische Atmosphaere versauen kann- waren auch wir begeistert und schwer beeindruckt von den Resten des Bauwerks in Zusammenspiel mit der umliegenden Natur. Steile gruene Felsen und tiefe Schluchten praegen die Landschaft- und ganz oben liegt die "verlorene Stadt", deren tatsaechliche Geschichte bis heute auch unterschiedlich dargestellt wird. Das weltweit bekannte Ansicht haben wir genossen, aber vor allem aus neuen Blickwinkeln diesen Ort zu betrachten, ist den Aufwand wert: 8 Stunden im Bus auf wirbelsaeulenschaedigender Schlagloch-Sandstrasse am Bergabhang, 2 Stunden Gleisbettmarsch im Moskitoattackenland und 4 Uhr Aufstehen am naechsten Tag, um rechtzeitig am Eingang zu sein und eine von den 200 Eintrittskarten fuer den Huaynapicchu (der Berg, den man immer auf dem Bild hinter den Steinruinen sieht) zu ergattern. Stimmt, es IST sehr touristisch. Und die Leute sind besessen!Aber wenn dann nachmittags die ganzen nervigen Touristen weg sind (hahaha), dann wird es richtig wirkungsvoll. Wir haben tatsaechlich von 6 Uhr morgens bis 16 Uhr nachmittags dort oben verbracht- es war wirklich das i-Tuepfelchen nach allen anderen Besichtigungen.
Zurueck in Cusco, haben wir einen Tag Verschnaufpause eingelegt (die natuerlich wieder zur Haelfte mit Organisatorischem gespickt war, unter anderem ein Geldautomatenstreich am Sonntag, so dass man sich nirgends beschweren kann, wenn zwar die Rechnung rauskommt, dass man 200 Dollar abgehoben hat, nicht aber das Geld!). Denn fuer die naechsten Tage haben wir bereits vor dem Machu Picchu-Trip binnen 10 Minuten entschieden, dass wir (also ich ja nochmal) in den Dschungel fahren - bzw. eine Strecke im 10-Mann-Flugzeug ueber den Amazonasbecken sogar fliegen. Es ist echt Wahnsinn. Aber ich hoffte auf Kompensierung meines Affenbeobachtungsmangels aus Ecuador. Schon der Flug war voll cool. Langsam haben wir uns von den Anden entfernt, deren Auslaeufer waren schon voll von gruener Vegetation (genannt Nebelwald) und dann unter uns die riesigen Palmen und was sonst noch so an Riesenbaeumen im Dschungel waechst. Gelandet wird hier auf einer Wiese, butterweich und erstaunlich unruckelig- ist wohl ne andere Wiese als der Berliner Treptower Park... und schon bei der Bootsfahrt hin zu unserer Huette (Lodge) haben wir sie tatsaechlich gesehen- AFFEN!!! Hier spricht der Fachmann: Cappucino-Aeffchen. Ich war wie in Trance- naja, fast. Sie springen am Ufer von Baum zu Baum, mit dem Fernglas hatte ich sogar das Gefuehl, sie glotzen mich an. Ach, waren wir gluecklich!!! In diversen Wanderungen und Boots- und Catamaran-Touren kamen uns noch so einige Dschungelbewohner vor die menschliche und technische Linse: rote Bruellaffen, Kaimane, Riesenottern, Tucane, hunderte von Papageien, Sittiche ach und Dutzende von anderen Vogelarten, die mehr oder weniger spannend aussahen. Jawohl, ein Erlebnis, aber mein Affenbedarf wurde ehrlich gesagt auch hier nicht gedeckt- bin ich suechtig? Nein, denn allen anderen Reisenden ging es aehnlich. Allerdings von Wanderungen mit der Machete durch Urwaldgestruepp und vom Schmatzen der Gummistiefel in ordentlich tiefer Modderpampe haben alle vorerst genug! Auch wenn Tiere nicht in Zoonaehe, es war viel besser als in Ecuador...
Die letzte Station in Peru haben wir in Puno am Titicacasee gemacht- die Stadt selber ist nicht so spannend, aber die schwimmenden Inseln! 50 Inseln aus Stroh liegen verankert inmitten des riesigen Sees und alles: die Haeuser, die Boote, alles ist aus Stroh. Und wenn man da schonmal eine Nacht verbringen kann, warum dann nicht auch wir? Eine unvergessliche Nacht wurde versprochen, das war sie dann auch- Regen und Wind stellten die Haeuser auf die Probe, haben aber den Test bestanden- wir die Hundekaelte auch, denn immerhin befinden wir uns hier auf 3800 Meter Hoehe- und das mit unserem Sommerfestivalschlafsack. Toms vorheriges kurzes Fieber hat sich dennoch verabschiedet und nun sind wir schon wieder gesund und munter in La Paz, Bolivien. Doch dazu mehr ein anderes Mal. Denn heute abend geht es mit dem Bus nach Uyuni (groesste Salzwueste der Welt)... Adios, amigos- hasta luego! Esst nicht zuviel Lebkuchen, denn wenn wir zum ersten Advent wieder einreiten, dann wollen wir auch noch welche! Bis dahin geniessen wir noch die dominosteinfreie Zeit und erfreuen uns an Mango, Papaya und Co.- und freuen uns auf die vielen Kommentare, die auf diesen Bericht WIEDER kommen werden... ;-)

Sonntag, 25. Oktober 2009

Peru adios...doch hier erstmal die erste Halbzeit

Nein, nicht dass wir binnen zwei Wochen von Ecuador durch ganz Peru gehirscht waeren, wir haben nur blogtechnisch etwas gebummelt... Vier ganze Wochen in Peru haben so allerhand Einblicke gegeben und Eindruecke hinterlassen. Die Zeit ist verrannt wie ueblich und wenn man sich vorstellt, dass wir eigentlich nur durch den Sueden gereist sind, dann wird einem bewusst, wie gross das hier so alles ist bzw. was es alles zu besuchen, sehen, tun gibt. Mit relativ kurzem Stopp (1 Tag Trujillo- fuer mich ja nun schon zum dritten Mal...) sind wir vom Sueden Ecuadors durch Nordperu gebusst, haben wir Lima kurz gekreuzt (1,5h Aufenthalt bis zur naechsten Busfahrt, hier gibt es ja auch nicht allzuviel zu sehen, was einem Freude bereiten koennte) und den ersten exzessiven Halt mit einer Uebernachtung in Pisco gemacht. Diese Stadt kennzeichnet sich nicht nur durch den (welt?)beruehmten hochprozentigen Pisco, in Cocktailform auch als Pisco Sour erhaeltlich, sondern auch durch das Erdbeben im Jahr 2007 und dessen immernoch sichtbaren Schaeden (als waere es vor einem Monat gewesen). So trug es sich zu, dass unser Lonely Planet vom Maerz 2007 von tollen Hostals und Restaurants schrieb, die wir nach Auskunft des Taxifahrers erstmal nach und nach streichen konnten, weil die ja schon laengst nicht mehr stehen, eben wegen des traurigen Events. Obwohl fuer Touristen daher nicht mehr attraktiv, ist es doch ein selten eindringliches Gefuehl, durch eine Stadt zu gehen, die zu 85% zerstoert wurde, und deren Bewohner mit allen mickrigen Mitteln versuchen, seit gut 2 Jahren wieder irgendwas aufzubauen. Dank der Korruption, die hier wie im Bilderbuch funktioniert, haben von den finanziellen Mitteln des Landes die Einwohner hier kaum etwas gesehen. Dafuer seien die Verantwortlichen nun mit neuen Haeusern und Autos und so´n Kram ausgestattet. Sehr aufwuehlend. DAS mussten wir erstmal mit dem oben erwaehnten Pisco Sour runterspuelen- zu fuenft im Hostal haben wir unsere eigene Pisco-Lemon-Zucker-Eis-Mischung gezaubert und dank Tom, dem Eierhasser, die traditionelle Zutat "rohes Eiweiss" einfach mal weggelassen- gar nicht uebel! Von Pisco aus kann man (so auch wir) eine ziemlich touristische Tour zu Inseln machen, die von Millionen von Voegeln, aber auch von Seeloewen (schon wieder? - aber natuerlich ne GAAANZ andere Rasse!!!) und Pinguinen bevoelkert wird. Die hiesige Vogelkacke ist bzw. war weltweit bekannt und beliebt: das bestialisch stinkende Zeug wird als hervorragender Duenger (schon mal was von Guano gehoert?) genutzt. Naja, ich bevorzuge da lieber Blaukorn... Weiter ging es nach Ica (noch suedlicher an der Kueste), genauer gesagt nach Huacachina. Die ehemalig fuer die hohen Tiere des Landes geschaffene Oase mitten in der Wueste ist nun die Hochburg fur Sandbuggy- und Sandboarding-Touristen. Also hin da und gleich eine solche Veranstaltung mitgemacht! Sandbuggyfahren ist wie Achterbahn nur mit Wueste unter dem Hintern. Was man da fuer Huepfer macht und welche steilen Abhaenge man mit dem Ding nehmen kann, ohne sich zu ueberschlagen, grenzt an physikalische Raetsel- MEINER Meinung nach. Tom fand's ja auch ganz cool, hat natuerlich nicht so geschrieen wie ich.
Aber als sich der Fahrer mitten im Fahren dann ploetzlich AUCH angeschnallt hat, da wurde es auch fuer Tom ziemlich spannend. Zwischendurch kamen wir noch in den Genuss von Sandboarding- wenn der Winterurlaub schon ausgefallen ist- auch hier kostet es einige Ueberwindung, sich irre steile Sandduenen baeuchlings mit Kopf nach vorne! runterzustuerzen. Schreien sollte man dabei dann lieber nicht, sonst hat man den Mund voll, also nur Augen aufreissen und nach innen bruellen- aber nicht zu knapp! Meine Guete, dass war Adrenalin pur.
Die Landschaft an der Kueste Perus ist mehr Wueste als alles andere, und zwar kann man behaupten von Norden bis Sueden- mal flacher Sand, aber eben hier richtige Sandberge- so stell ich mir die Sahara vor. Unglaublich, welche Natur uns hier erwartet hat. Diese Oase ist wirklich zum rumhaengen gedacht, Hostals mit Haengematten sind hier ueblich. Gern waeren wir noch geblieben, aber schliesslich beherrscht einen das Programm (meistens) und so zogen wir weiter nach Nazca, denn hier sind laienhaft beschrieben ein paar Figuren in den Sand gekritzelt, die der ganzen Welt bis heute Raetsel aufgeben. Nun ja, denn wird das auch wohl nuescht mehr, seit 80 Jahren denken sie und denken sie, die Wissenschaftler. Aber Hauptsache, man kann sie ankucken- und das auch noch mit ner einmotorigen Propellermaschine (fuer sage und schreibe nicht 6, nicht 5, nein: VIER Passagiere!!!). Das bedeutete: vorher kein Fruehstueck, das waere glatte Verschwendung, denn die Kreise, die das Flugzeug dreht, sind nicht von schlechten Eltern. Es ging aber alles gut und war sogar noch beeindruckend, das Fliegen UND auch die Bilder am Boden- obwohl die inzwischen schon etwas unkenntlicher geworden sind. Tom sass neben dem Piloten und da wurde sein Flugwunsch wieder wachgeruettelt- ach herrje. In mir wurde waehrend des gleichen Tages hingegen der Wunsch nach kuerzeren Haaren immer dominanter, sodass ich letztendlich in einem von etlichen Marktfriseurschuppen landete und mir fuer 6 Sol (= 1,50 EUR) eine Frisur hab verpassen lassen, die Tom zunaechst in nen halben Wutanfall versetzt hat (darauf hin hat er sich ebenfalls unter die Schere gesetzt), mir aber anfangs schon ganz gut und inzwischen (nach 2 Wochen) noch besser gefaellt. FRISCH FRISIERT und mittelschoen gelaunt konnten wir also in den Nachtbus weiter nach Arequipa steigen...
Diese Stadt, ebenfalls an der Kueste, ist die zweitgroesste Perus und sehr schoen anzusehen. Neben ein paar Besichtigungen geht fuer Nahrungssuche, die den Anspruechen gerecht wird und organisatorisches eine MENGE Zeit drauf. Moechtest du eine Tour durch den Colca Canyon machen? KEIN Problem: hunderte von Agenturen warten nur darauf, diesen Wunsch in deinen Augen abzulesen und dich mit Angeboten zu belagern bzw. bei Preisanfrage erstmal bitten, Platz zu nehmen und (egal, wie oft du es schon gehoert hast, das Programm) alles von vorn bis hinten runterzurasseln. Der Lonely Planet ist in diesem Punkt eher ein Stein im Weg, das steht mal fest. Denn die einzige Agentur, die vom L.P. als vertrauenswuerdig eingestuft wurde (die anderen werden ohne Namen als windig abgestempelt) nimmt mehr als das 5fache als alle anderen Agenturen und ist dazu (oder deswegen) noch oberarrogant!!! Das mussten wir einfach boykottieren- mit einem etwas mulmigen Gefuehl haben wir uns (nach stundenlanger Recherche- wir haben es uns wirklich nicht leicht gemacht) fuer eine der angeblich "windigen" Agenturen entschieden und waren daher um so (an)gespannter, wie die naechsten 3 Tage durch ein landschaftlich wunderschoenes Gebiet werden wuerden. Und ich fasse mich hier mal kurz: die drei Tage waren soooo wundervoll, dass eine weitere Hausaufgabe noch sein wird, dem Lonely Planet mal einen kleinen Text zu schreiben und allen kuenftigen Touristen DIESEN Zeit- und Geldaufwand zu ersparen. Der Colca Canyon ist bis zu 3200 m der zweittiefste Canyon der Welt (von wegen GRAND Canyon...nur 1800m)! Lebensraum fuer Kondore, majestaetisch in und ueber der Schlucht fliegend- die atemberaubendste Kulisse, die man sich fuer dieses Schauspiel vorstellen kann. Abstieg in den Canyon, Wanderung im Tal, Uebernachtung im Paradies, wie sich eine Oase im Canyon zu recht nennt, und Aufstieg waren ein Naturgenuss ohne Grenzen. In dieser Tour lernten wir noch ein deutsch-griechisches Paerchen kennen, mit denen wir noch den einen oder andere gemuetliche Zeit verbracht haben, nicht nur in Arequipa, sondern (wir hatten die aehnliche Reiseroute) auch in Cusco, ja sogar zwischen den 2000 Besuchern von Maccu Pichu trifft man sich... die Welt ist eben echt so klein. A pros pos Cusco: das war unser naechstes Ziel, aber DAS ist dann schon die zweite Halbzeit!Fortsetzung folgt...

Sonntag, 11. Oktober 2009

Ecuador ist nun ein Oldie....

Ha! Jetzt aber mal frueher ein Lebenszeichen von uns zween... Es fehlt ja noch ein kurzer (prust) Abschlussbericht von Ecuador... nachdem wir uns nun schon seit fast 2 Wochen in Peru befinden. Dabei sind eigentlich nur noch 2 Aktionen von Bedeutung: der Versuch, den Cotopaxi, den mit 5.893m zweithoechsten Berg (d.h. Vulkan) in Ecuador zu besteigen und ne coole Rafting Tour diesmal zu zweit und ein bisschen aufregender und wilder... aber von vorn: Zurueck aus Galapagos konnten wir ja nicht einfach so mal eben auf fast 6000 Hoehenmeter umsteigen, sondern der Koerper verlangt schon ein paar Tage der Aklimatisierung. Doch diese Vorbereitungszeit war es uns beiden sowas von wert, denn der Cotopaxi ist unseres Empfindens nach einer der schoensten "Berge", die wir je gesehen haben. Fuer die Frauen und Schokoliebhaber unter uns: er erinnert mich an die Montelinos von Milka, sehr symmetrisch und die Spitze mit einzelnen langgezogenen Auslaeufern mit Schnee bedeckt- Fotos siehe rechts... na jedenfalls wollten wir es einfach versuchen und haben eine Woche nicht nur mit Anwesenheit, sondern teilweise auch mit koerperlicher Betaetigung in Hoehen bis zu 4700m die Tage davor verbracht- gewandert, gewandert und nochmal gewandert... dann war es endlich soweit: am 23.9. startete unsere 2-Tagestour. Wir beide hatten einen Guide fuer uns alleine- das ist so vorgesehen, denn fuer den Fall, dass es auch nur Einem nicht gut geht, muss die ganze "Gruppe" komplett zurueckgehen, und da sollen ja nicht 9 Leute auf einen armen "kranken" Menschen herumhacken. Die erste Etappe fuehrte uns per Auto durch den Nationalpark Cotopaxi, von weitem blickte er, also Herr Cotopaxi, schon ziemlich majestaetisch auf uns herab und wir ehrfuerchtig, ja fast ein bisschen aufgeregt zu ihm herauf. Wenn man sich Tage davor schon mit dem Aufstieg beschaeftigt und darauf hin arbeitet, dann klopft das Herz schon mal etwas schneller, wenn man dann die Aufgabe vor einem herausragen sieht. Tom hat es in diesem Moment schon ganz richtig formuliert: man fuehlt sich ein bisschen wie vor einer Pruefung, es gibt nur eine Chance, man hat geuebt und geuebt, aber nun kommt es auf DIESEN Moment an- Kaffee brauchten wir beide keinen mehr. Auf dem Weg durch den Park haben wir noch ein ecuadorianisches Paerchen mit seinem sechsjaehrigen Enkel aufgegabelt. Als wir mit dem Auto auf einer Hoehe von 4.500m ankamen, war die "Oma" schon ausser Gefecht- Hoehen"krankheit" hatte ihr schon Uebelkeit vom feinsten verschafft. Da waren's nur noch 2 von 5... wir hatten am ersten Tag nur noch eine Hoehe von 300 m zu schaffen, das ging auch relativ problemlos. Schon waren wir im Refugium, unsere Uebernachtungshuette- ohne Feuer, ohne Heizung, mit 3stoeckigen Betten, so dass zu Hochsaisonzeiten hier ungefaehr 50 Leute pennen koennen- heute waren wir aber die einzigen beiden, die sich im Schlafsack vor lauter Kaelte nicht entspannen konnten, geschweige denn schlafen. Gluecklicherweise "durften" wir ja um halb 12 nachts auch schon wieder aufstehen, denn die Besteigung beginnt hier regelmaessig 1 Uhr in der Fruehe. Der Wind pfiff durch das Fenster, dass man denken konnte, kaum aus der Tuer raus, wird man schon wieder an den Fuss des Vulkanviehs gewedelt- aber es hoerte sich schlimmer an als es war... also wir mit unseren ausgeliehenen Winterbergbesteigungsklamotten in ALLEN erdenklichen Farben raus in die Nacht. Beim Sachen aussuchen wollte ich zuerst gegen pinkfarbene Hose fuer Tom und mich plus orangene Jacke und wild gemusterte oder einfach nur schreckliche Muetzen protestieren, dann fiel mir aber ein, dass es erstens dunkel ist, zweitens wir alleine sind und drittens: Hauptsache WARM!!! Der Sternenhimmel von hier aus ist Weltklasse und preisverdaechtig- keine einzige Wolke, die uns die Sicht versperren wollte, hier fuehlt man das klitzekleine Planetchen Erde und das riiiiiieeesig grosse Universum. Quito, 50km entfernt von uns, leuchtete mit seinen Millionen von Lichtern charmant entgegen. Die Motivation der beiden Steinboecke konnte nicht hoeher sein!!! Die ersten eineinhalb Stunden schraubten wir uns auf Sandweg hoch, Schritt fuer Schritt, langsam, denn die Luft ist hier schon merklich knapper als weiter unten und das Herz pocht ordentlich- aber nicht wegen der Aufregung ;-) Der Sandweg ist deshalb muessig, weil wir einsacken und 3 Schritte sich effektiv auf 2 verringern, weil wir staendig runterrutschen- also freuen wir uns auf den festeren Schnee-und Eisteil, bis...ja, bis wir am Schnee- und Eisteil angekommen sind... da wird einem ja schon etwas anders, wenn man die Steigeisen unter den Schuhen hat, der Wind pfeift und es ist dunkel, wir beide sind mit dem Seil und mit dem Guide verbunden, meine Stirnlampe hat schon nach 5min den Geist aufgegeben, so dass wir nur noch eine hinten (Tom) und eine vorne (Guide) haben. Jeder Schritt bedeutet: Kucken, wo man hintritt und dann mit voller Wucht die Eisen in die vereiste Oberflaeche reinhaemmern- wir sehnen uns zurueck zum Sandweg!!! Mit kleinen, aber vielen Pausen wegen Luftmangel wurschteln wir uns durch bis auf 5.300m. Dann kommt er, der Hammer der Natur: Nachdem fuer Tom die Luft schon ziemlich knapp ist, wird ihm auch noch schlecht, und da gibt es keinen Ehrgeiz und keinen Sportsgeist mehr, sondern nur noch eine Antwort: wir kehren um... diesen Fall haben wir natuerlich vorher in unsere Planung mit einbezogen, aber komischerweise ist die Stimmung wegen des Nichterrreichens des Kraterlochs nicht so gedrueckt wie erwartet- eher bin ich nach dem Rueckweg gluecklich, dass nichts Schlimmes passiert ist- unser Guide hat uns da Geschichten von einem deutschen Paerchen erzaehlt, in der SIE auf dem Berg ohnmaechtig geworden ist und der Guide sie zuruecktragen musste, waehrend ihr Freund nicht nur auf dem Rueckweg unbehilflich war, sondern auch nach dem Erwachen der Freundin im Refugium darauf gedraengt hat, nochmal hochzugehen...als das LOGISCHERWEISE vom Guide abgelehnt wurde, wollte er sein Geld zurueck. Wie peinlich fuer uns Landsleute... WIR haben uns jedenfalls erstmal ausgeruht von dieser aufregenden Tour und sind dann vormittags zurueck in die Stadt Latacunga. Tom hat sich dann auch nach einiger Zeit wieder erholt, aber die Kraft der Natur sass uns beiden noch in den Knochen, aber auch im Kopf: hier wird einem klar, dass wir kleinen Hutzelmaennchen mit all unserem Ehrgeiz und festen Willen manchmal einfach nix zu sagen haben, manchmal laechelt uns die Natur mitleidig an und zeigt uns, dass da noch jemand ist, der hat einfach mehr "Muckis" zu bieten! Da kann man nur hoeflich den Hut ziehen und einsehen...ja okay, wir haben verstanden... aber diese einzigartige Erfahrung als auch die Benutzung von Steigeisen war den Ausflug wert. Abends fand hier in Latacunga zu unserer Bespassung die "fiesta de la mamma negra", DAS Fest des Jahres mit Kostuemen, Tanz und viel Alkohol statt. So konnten wir uns noch ein bisschen unterhalten lassen und von dem grossen Kapitel Cotopaxi Abschied nehmen. Am naechsten Tag fuhren wir nach Baños, hier gab's die zweite Disziplin: Rafting. Fuer mich das zweite Mal, aber diese Tour war in der Tat so anders und auf wilderem Wasser, dass ich mich wirklich NICHT gelangweilt habe! Auf der Skala zwischen 1 (Planschbecken) und 6 (garantiert toedlich) haben wir auf Wellen des Levels 4+ mit 4 anderen lustigen Gesellinnen und Gesellen doch schon ziemlich hohe Wellen mitgenommen, manchmal haben sie uns auch mitgenommen... am Anfang ist es schon komisch, wenn man sieht, dass 2 Rettungskajaks mit einem durch die Wellen jachtern (hhhmmmm, SOWAS hatte ich doch beim ersten Mal nicht...???), aber wir haben sie dank unserer Professionalitaet (haha) ja nicht gebraucht. Riesen-Mega-Superspass. Auch hier kriegt man die Kraft der Natur zu spueren, wie blitzschnell aus einem ruhigen Wellenplaetschern adrenalinfressende Babytsunamis (ich nu wieder) werden. Naja, jedenfalls ganz schoen prickelnde Wellen, die einem zeitweise das Boot unterm Hintern wegreissen. Tom war auch froh, dass es keine Kaffeefahrt geworden ist, also hat das genau unseren Geschmack getroffen. Das sollte dann auch die letzte Aktion in Ecuador werden... Von dort aus hat dann die unendlich lange Busfahrt Richtung Suedperu begonnen. Kurzer nerviger Zwischenfall war der beginnende Generalstreik in Ecuador genau am Tag unserer Abfahrt. Die Einheimischen Indigenas haben etliche Strassen mit Baumstaemmen und all so Zeug belagert und die Weiterfahrt blockiert. Wir haben aber kaum Zeitschaden genommen, nur eine Blockade mit ner halben Stunde Wartezeit abgesahnt, bis die Polizei alles fast friedlich im Griff hatte. Es ist zweischneidig: einerseits moechte man ja ohne Probleme und zuegig durchkommen, andererseits kann man die armen Leute verstehen, die was Wirksames dagegen tun muessen, dass der Praesident hier das Wasser privatisieren moechte, das wuerde naemlich unglaublich viel teurer, manchmal vielleicht sogar unbezahlbar fuer die Leute werden. Also jetzt koennen sie streiken, was das Zeug haelt!!! Wollen wir hoffen, dass der Praesident von Peru nicht auf solche Ideen kommt... Ein erneuter Blick ins Ecuador-Album wird sich in Baelde lohnen (findet schon jetzt die 5 neuen... hier sind nicht nur Menschen, auch Maschinen langsamer...)