Montag, 26. Oktober 2009

Peru...zweite Halbzeit!

"Smile! And don't look like a bulldog!"- waren Toms drastische erste Worte, die er in Cusco gegenueber einer Dame (!) fallen liess. Die "Freundschaft" zwischen ihm und dieser Angestellten unserer Busagentur begann schon kurz nach dem Einstieg, als Toms Sicherheitsgurt kaputt war, er darauf hinwies und sie ihn ganz laessig mit einem Knoten im Gurt abspeiste. Doch im Vergleich mit den darauf folgenden psychoterroristischen 10 Stunden Nachtbusfahrt, begleitet von ohrenbetaeubendem Geklapper einer lockeren Schraube irgendwo hinter der Verkleidung, das jedes Einschlafen kontinuierlich verhinderte, war die Sache mit dem Gurt ja Pillepalle. Jedenfalls hat die Frau nach diversen Diskussionen (in den Geschmacksrichtungen freundlich-bettelnd, eindringlich und agressiv) nicht einen Finger krumm gemacht, um dieses Problem zu loesen und Tom der Glueckspilz war nun derjenige, der genau dort sass, wo die Schraube am lautesten zu hoeren war. Dies war der Beginn unserer Cusco-Zeit. Danach wurde es ruhiger, kultureller und steinreicher. In und um Cusco gibt es ja unzaehlige (mehr oder weniger interessante) Inkastaetten. Und weil die Tourismusbranche auch hier nicht bloed ist, versammeln sie alle Eintritte auf einer Touristenkarte, die fuer teuer Geld zu kaufen ist und dann natuerlich auch abgearbeitet werden will... vergleichbar mit einem All-you-can-eat- Einheitspreis... Daher hatten wir taeglich gutes Programm, und da die groesseren Ruinen alle ausserhalb der Stadt liegen, waren die Ausfluege auch tagesfuellend. Sacsayhuaman, die einzig ohne Bus erreichbare Staette, ist eine bedeutende Festung (bzw. deren Reste) auf einem Huegel nahe des Zentrums von Cusco. Die Inkas haben die Stadt Cusco in Form eines (mehr oder weniger erkennbaren) Pumas gebaut, und die Festung oberhalb sollte den Kopf darstellen, so berichtete uns ein angehender, fast 25jaehriger Schamane. Ganz bezeichnend bei der Bauweise der Inkaanlagen und -mauern sind die riesigen Steine, die so geschliffen wurden, dass sie NICHT EINEN Klecks Moertel oder sowas benoetigten, sondern jeder Stein eine andere Form besass und so wie ein 3-D-Puzzle ineinander gesteckt wurden. DAS ist echt eine Kunst gewesen. Sogar diverse Erdbeben haben diese Mauern ueberstanden (allerdings nicht die spanische Invasion...)
So haben wir uns, bevor es dann natuerlich auch nach Macchu Pichu gehen sollte, schon vorher mit etlichen Steinhaufen beschaeftigt. Baeder, Plaetze fuer heilige Rituale, Wachanlagen oder Raststaette fuer Durchreisende (manchmal sind sich die Historiker eben auch nicht ganz einig)- wir haben fast alle gesehen. Und Peru ist eben immer noch ein Tobeplatz fuer die Geschichtsfetischisten. Das schoene fuer uns Laien hier ist vor allem, dass sagenhaft schoene Natur mit Geschichte gemischt ist. Riesige Bergketten, teilweise mit Gletscher behangen, bilden den Horizont, oft befinden sich ganze Doerfer auch ganz oben auf dem Berg mit Blick auf atemberaubende Kulisse. Klar, in Europa gibt es auch Bergdoerfer und Burgen... ja, auch wunderschoen. Und trotzdem sind die Berge in Suedamerika noch anders- viiiieeel groesser. Und obwohl wir nach all den Steinvisiten eher skeptisch waren, dass das so hochgelobte Machu Picchu so einzigartig sein soll- schliesslich ist es gleichzeitig ein Ort mit ueber 2000 Touristen am Tag, was einem schon die mystische Atmosphaere versauen kann- waren auch wir begeistert und schwer beeindruckt von den Resten des Bauwerks in Zusammenspiel mit der umliegenden Natur. Steile gruene Felsen und tiefe Schluchten praegen die Landschaft- und ganz oben liegt die "verlorene Stadt", deren tatsaechliche Geschichte bis heute auch unterschiedlich dargestellt wird. Das weltweit bekannte Ansicht haben wir genossen, aber vor allem aus neuen Blickwinkeln diesen Ort zu betrachten, ist den Aufwand wert: 8 Stunden im Bus auf wirbelsaeulenschaedigender Schlagloch-Sandstrasse am Bergabhang, 2 Stunden Gleisbettmarsch im Moskitoattackenland und 4 Uhr Aufstehen am naechsten Tag, um rechtzeitig am Eingang zu sein und eine von den 200 Eintrittskarten fuer den Huaynapicchu (der Berg, den man immer auf dem Bild hinter den Steinruinen sieht) zu ergattern. Stimmt, es IST sehr touristisch. Und die Leute sind besessen!Aber wenn dann nachmittags die ganzen nervigen Touristen weg sind (hahaha), dann wird es richtig wirkungsvoll. Wir haben tatsaechlich von 6 Uhr morgens bis 16 Uhr nachmittags dort oben verbracht- es war wirklich das i-Tuepfelchen nach allen anderen Besichtigungen.
Zurueck in Cusco, haben wir einen Tag Verschnaufpause eingelegt (die natuerlich wieder zur Haelfte mit Organisatorischem gespickt war, unter anderem ein Geldautomatenstreich am Sonntag, so dass man sich nirgends beschweren kann, wenn zwar die Rechnung rauskommt, dass man 200 Dollar abgehoben hat, nicht aber das Geld!). Denn fuer die naechsten Tage haben wir bereits vor dem Machu Picchu-Trip binnen 10 Minuten entschieden, dass wir (also ich ja nochmal) in den Dschungel fahren - bzw. eine Strecke im 10-Mann-Flugzeug ueber den Amazonasbecken sogar fliegen. Es ist echt Wahnsinn. Aber ich hoffte auf Kompensierung meines Affenbeobachtungsmangels aus Ecuador. Schon der Flug war voll cool. Langsam haben wir uns von den Anden entfernt, deren Auslaeufer waren schon voll von gruener Vegetation (genannt Nebelwald) und dann unter uns die riesigen Palmen und was sonst noch so an Riesenbaeumen im Dschungel waechst. Gelandet wird hier auf einer Wiese, butterweich und erstaunlich unruckelig- ist wohl ne andere Wiese als der Berliner Treptower Park... und schon bei der Bootsfahrt hin zu unserer Huette (Lodge) haben wir sie tatsaechlich gesehen- AFFEN!!! Hier spricht der Fachmann: Cappucino-Aeffchen. Ich war wie in Trance- naja, fast. Sie springen am Ufer von Baum zu Baum, mit dem Fernglas hatte ich sogar das Gefuehl, sie glotzen mich an. Ach, waren wir gluecklich!!! In diversen Wanderungen und Boots- und Catamaran-Touren kamen uns noch so einige Dschungelbewohner vor die menschliche und technische Linse: rote Bruellaffen, Kaimane, Riesenottern, Tucane, hunderte von Papageien, Sittiche ach und Dutzende von anderen Vogelarten, die mehr oder weniger spannend aussahen. Jawohl, ein Erlebnis, aber mein Affenbedarf wurde ehrlich gesagt auch hier nicht gedeckt- bin ich suechtig? Nein, denn allen anderen Reisenden ging es aehnlich. Allerdings von Wanderungen mit der Machete durch Urwaldgestruepp und vom Schmatzen der Gummistiefel in ordentlich tiefer Modderpampe haben alle vorerst genug! Auch wenn Tiere nicht in Zoonaehe, es war viel besser als in Ecuador...
Die letzte Station in Peru haben wir in Puno am Titicacasee gemacht- die Stadt selber ist nicht so spannend, aber die schwimmenden Inseln! 50 Inseln aus Stroh liegen verankert inmitten des riesigen Sees und alles: die Haeuser, die Boote, alles ist aus Stroh. Und wenn man da schonmal eine Nacht verbringen kann, warum dann nicht auch wir? Eine unvergessliche Nacht wurde versprochen, das war sie dann auch- Regen und Wind stellten die Haeuser auf die Probe, haben aber den Test bestanden- wir die Hundekaelte auch, denn immerhin befinden wir uns hier auf 3800 Meter Hoehe- und das mit unserem Sommerfestivalschlafsack. Toms vorheriges kurzes Fieber hat sich dennoch verabschiedet und nun sind wir schon wieder gesund und munter in La Paz, Bolivien. Doch dazu mehr ein anderes Mal. Denn heute abend geht es mit dem Bus nach Uyuni (groesste Salzwueste der Welt)... Adios, amigos- hasta luego! Esst nicht zuviel Lebkuchen, denn wenn wir zum ersten Advent wieder einreiten, dann wollen wir auch noch welche! Bis dahin geniessen wir noch die dominosteinfreie Zeit und erfreuen uns an Mango, Papaya und Co.- und freuen uns auf die vielen Kommentare, die auf diesen Bericht WIEDER kommen werden... ;-)

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Unserer fleißigen Schreiberin sind die Kommentatoren nicht fleißig genug. Das liegt wohl daran, dass man sich gegen deine Reiseberichte furchtbar unbedeutend vorkommt und nicht immer wieder schreiben will: Wie toll, wundervoll, einzigartig und beneidenswert. Tja hier regnet es inzwischen Schnee und man gleitet mit dem blöden Fahrrad meiner Mama über das Kopfsteinpflaster mit grüner hässlicher Regenhose. Aus lauter Frust (denn so wird der Prinz mit Schimmel mit Sicherheit an einem vorbei reiten) ist man dann eben Lebkuchen. Also lieber Mango, Papaya und Konsorten. Aber trotzdem zähle die Kreuze und überhäufe Euch gern mit Dominos, Lebkuchen, Printen und natürlich mir. Tausend Küsse von deiner Schneckenschlumpfine
Ps. Vergiss ja nicht mein Mitbringsel!

Anonym hat gesagt…

Wenn man euren Reisebericht liest, kann man fast neidisch werden. Wir (eure lieben Kollegen/innen) sind seit Montag in die Hasenheide ausgelagert, die Wallstr. wird in den nächsten 4 Monaten "restauriert" ( wir hoffen, dass die das schaffen) und wir kämpfen mit den üblichen Umzugsproblemen. Der Coputer funktioniert nicht weil Citrix nicht geht, die Telefone sind nicht durchgeschaltet, usw. Genießt eure noch verbleibende Zeit und kommt mit frischen Kräften wieder zurück.

Anonym hat gesagt…

Hallo Ihr zwei,
nur weil wenige Kommentare kommen, könnt Ihr doch wohl nicht erntshaft glauben, dass niemand Eure Berichte liest. Aber mir gehen hier im schnöden Alltag die Worte aus angesichts der vielen virtuell miterlebten Sachen. Ich staune da meistens still vor mich hin...

Lars

Unknown hat gesagt…

Hola amigos,

es ist doch unglaublich, unermüdlich versorgt ihr uns mit erlebten Höhepunkten aus Pecuador und Eru. Solch ein Subotnik ist schon eine tolle Sache. Ich kann gar nicht glauben, dass das wahr ist. Wie sollt ihr jemals von diesem Erfahrungstrip wieder runterkommen? Wahrscheinlich fahrt ihr nur noch S-Bahn, wenn dort Papayas von kleinen Äffchen verteilt werden und "freundliche" Zugbegleiter euch auf der Sitzbank festknoten um euch wiederum mit klappernden Schräubchendosen zu verwöhnen.
Das Gute ist jedoch, dass ihr locker mit Nächten im Doppelstockbettsahl der Bahnhofsmission klar kommen würdet, falls die S-Bahn mal wieder kaputt ist.
Auch in Sachen Natur könnt ihr durchaus Lieb-Gewonnenes beibehalten. Auf unserer Galapamuseumsinsel sind tolle Dinge zu entdecken, die Riesenschildkröten sind allerdings nur noch als Skelett zu bewundern (leider).
Auch bei einem Flug über das Haveldelta mit den unendlich erscheinenden Brandenburg-Wäldern wird deutlich, wie erhaltenswert die heimische Fauna ist.

Kalt ist es hier übrigens auch, da muss man doch nicht erst auf 3800 klettern - Tsss. Zudem sind eure bunt zusammengewürfelte Wohlfühl-Kuschelklamotten auch in unserem Berli Pichu durchaus tragbar. Hier hat ungefär jeder vierte lustige Sachen an.

Ach ja, es ist sehr schön zu sehen, was ihr an Berichten so zusammengetragen habt. Ich muss jedoch aufhören weiterzulesen, sonst frisst mich das Fernweh noch auf. Zum Glück schaut ihr bald wieder hier vorbei. Ich freu mich schon auf eure Bericht eund kommentierte Fotostrecken.

Liebe Grüße, Andrej.