Hier ist es nicht so einfach, ein Internetcafe zu finden, aber wir gaben nicht auf und voila, da sind wir auf der Bildflaeche wieder aufgetaucht. Die ersten 11 Tage liegen nun schon hinter uns und sind gespickt mit den unterschiedlichsten Erfahrungen und Gefuehlen. Die ersten beiden Tage in Mailand waren immerhin schon zu 50% sonnig, und wir haben uns ins italienische Getuemmel geworfen. Nach einiger Zeit ist uns aufgefallen, dass hier so gut wie nix an alter Bausubstanz zerstoert wurde und wunderten nicht schlecht ueber die ueppigen Bauwerke. Vor allem der Dom ist wirklich imposant, fast ein wenig spielerisch. Generell sind die italienischen Kirchen schon etwas pompoeser, we think. Gut, weiter im Text. Die ersten beiden Etappen von Mailand ueber Binasco nach Pavia kamen uns geuebt vor, weil ebene Strecke und auch ebene Wege (also ohne Geroell und so). Trotzdem waren wir am Ende immer ganz schoen groggy, und haben fast mit letzter Kraft ne Unterkunft gefunden. Beim ersten Mal hat uns sogar ein Osteria-Betreiber zum Hotel gefahren, wer weiss, WIE groggy wir aussahen... in Pavia, einer Stadt, die den Via Francigena kreuzt (unsern urspruenglichen Pilgerweg, den wir frei Hand etwas abgeaendert haben), konnten wir eine echte Pilgerunterkunft- bei der Caritas - kriegen. SEEEEHR nette Leute- ueberhaupt treffen wir in Italien auf fast NUR superhilfsbereite Leute, die sich fast aufdraengen, uns zu helfen- aber immer nur nett! Es ist eigentlich schon unfassbar. So auch eine Dame, die uns im derzeitigen Ort kurz sieht, wie wir vor dem Bed&Breakfast in Chiavari stehen und gleich die Kommunikation aufnimmt- als das Haus bereits besetzt sich herausstellt, geht sie mit uns durch die Stadt und fragt bei mehreren "Anbietern" an, bis sie uns wohlbehalten in einem netten kleinen Hotel an der Kueste untergebracht weiss... echt verrueckt. So verrueckt sind aber auch die Strecken, die wir (von Pavia nach Genua mit dem Zug gefahren) seit Genua hinter uns haben- es geht uebertrieben gesprochen fuer 500 Entfernungsmeter auch gleich 500 m in die Hoehe und auch 500 m wieder runter- d.h. von Entfernung ist erstmal nicht so viel abgerissen, dafuer sind unsere Muskeln und Energien schon stark beansprucht.... erst recht, wenn man "cool" mal wild zeltet (gleich bei der ersten Etappe zwischen Genua und Camogli), dann (zumindest in meinem Kopf) in der Nacht sich die Angst, von Mensch und/oder Tier ueberfallen zu werden, sich im Schlagabtausch von der Angst, wg. tosenden Windes vom Baum erschlagen zu werden, abloest. boah, aber das war noch kindergartenzelten, echt ohne quatsch... Zwischendurch belohnen wir uns natuerlich auch mit einem Hotel. So war es auch z.B. in Camogli, einer malerischen Kuestenstadt, in der man dann den Abend mit Baguette (sorry, natuerlich: Ciabatta!!!) und Kaese und Rotwein aus Zahnputzbechern am Hafen sitzend geniesst. Die Wege, dachten wir, werden subito wohl besser werden, und wurden auf der naechsten Etappe (Camogli- Rapallo) boese berichtigt. Von Wegen kann ja keine Rede sein, aber in diesem Nationalpark Montefino (oder so???) darf wohl nicht ein Stein verrueckt werden, also ruff auf den Berg ueber uebelste Klamotten und wieder runter- aber die Aussicht, das MUSS hier auch mal gesagt werden, ist bombastisch! Blick von ca. 500 m auf die ligurische Kueste, auf leckere Badebuchten in TUERKIS!!! und uns so richtig heiss, aber eben 500 m ueber der Badestelle. Leider draengelt auch unterkunftstechnisch hier immer noch ein bisschen die Uhr, so dass man manchmal eben nicht bummeln oder sich mal ne Stunde auf nen schoenen Stein setzen kann. Dafuer noch auf einen Zeltplatz hirschen, Zelt schnell aufstellen, bevor es dunkel wird und dann- nchrrrrrr... Einen schoenen Tag Pause in der Hafenstadt Rapallo haben wir uns vorgenommen, jedenfalls bis zum fruehen Nachmittag, denn dann sollte es wenigstens noch (statt Kaffee und Kuchen sozusagen) einen leckeren Anstieg von 535 Hoehenmetern geben. Natuerlich ueber Geroell, denn wir sind ja Steinboecke, haha... dann ne Nacht romantisch einsam auf wilder Wiese (wildcampen die 2.), es ist schon komisch, wenn man in einer menschenleeren Gegend sein Zelt aufstellt und dann auf der Decke sitzt- mein Ding (hab ich beschlossen) nicht so... aber da reisst man sich zusammen und schlaeft fast ohne Ueberfallangst ein, da wird man mitten in der Nacht um 1:15 Uhr vom taghellen Blitzlicht geweckt, jetzt auch noch Gewitter und wir so gut wie auf dem Kamm, suuper. Ich als Frau wollte ja mit dem kompletten Zelt umziehen, bloss nix zuruecklassen. Tom hat dann aber klugerweise vorgeschlagen, sich anzuziehen und mit den wichtigsten Sachen UND der Stirnlampe- nochmal danke fuer den Globetrottergutschein, Kollegen!!!- aufzumachen in den tiefen Wald... gesagt, getan. Ich wuenschte mich in diesem Moment zum Wildcampen Nr. 1 zurueck, oder noch besser: nach Hause!!!. Dann fing die Sekundenzaehlerei an: 21, 22, 23, usw. Jeder Blitz-Donner-Abstand wurde analysiert und ausgewertet. Mal waren es 8km, mal 3km. Wir sassen mit unseren Hintern in einer Felsspalte (denn groesser war sie leider nicht) und Regenjacke und Schirm (den uns ein HILFSBEREITER Schwarzer in Mailand fuer 3 EUR verkauft hat) und spekulierten, ob wir klein und uninteressant genug fuer die sagenhaft gewaltigen Blitze sein wuerden. Das ganze Spektakel zog sich hin bis 3:30 Uhr und ich fuer meinen Teil hatte zeitweise eine Schweineangst und Murphies Law sorgt dafuer, dass man in solchen Momenten nur auf gruselige Einfaelle kommt. Das Kaeuzchen schrie, dank Nadja kenn ich die "Sage", dass in diesem Moment ein Mensch stirbt- toll. Aber wir konnten dann doch ins Zelt zurueck und haben bis 9 geschlafen, der naechste Morgen tat, als waere nichts gewesen- echt ne Farce... Aber nun sind wir in Chiavari und in Geborgenheit... wir machen uns nun auf zu den Cinque Terre usw. Bis bald, gruss und dicken fetten kuss an alle von uns pellegrini!!!
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6 Kommentare:
Endlich ein Lebenszeichen!
Tolle Erlebnisse! Da werden wohl alle Berliner Büropupser die Bürotür schließen, einen Kaffee schlürrrrfen und sich nach Italien träumen. So wie ich gerade mit Tee. Aber auch hier geschehen aufregende Dinge. Ich habe zum Beispiel Sonnabend das Auto gewaschen. Schön in der Sonne! Das war herrlich.
Viel Spaß auf der nächsten Etappe
Micha
Mist, bin nur der zweite Kommentator ;-)
Is nur Spaß. Ha ha.
Toll, ich sitze so da und schreibe. Da dachte ich, guckste mal, ob die beiden Wallfahrer, Aussteiger, PilgererInnen mal eine kurze Meldung abgegeben haben. Ich hab mich aber nicht auf 'ne halbe Stunde lesen eingestellt. Weiter so!
Hört sich alles echt toll an, eure Übungen im Bio-Fitnessstudio. Das wirkt alles lebensverlängernd - von den Blitzen mal abgesehen. Ich wünsche Euch auf alle Fälle noch weitere elektrisierende Erlebnisse und vielleicht mal einen Strand mit Zugang ohne Fallschirmpflicht. Ich hoffe, Ihr macht auch schön Fotos (oder hab ich die nur noch nicht gefunden?). Haltet durch und hetzt nicht so. Liebe Grüße, Andrej.
... nein Simon hat gesagt, daß Andrej gesagt hat, daß man hier auch anonym posten kann. (Also doch lieber Name/URL unten eingeben. Sieht besser aus.)
Hallo Susi und Thomas,
habe deinen Reisebericht gelesen und schon mal für die Kollegen ausgedruckt. Ich hoffe, dass ihr in der restlichen Wanderzeit von Gewittern unter freiem Himmel verschont bleibt.
Ich fand den Bericht herrlich und verabschiede mich für 4 Wochen in den Urlaub nach Namibia / Südafrika.
Viel Spass weiterhin beim Wandern und keine Blasen am Fuß
Brigitte
Hallo Susi,
na da habt ihr ja schon einiges erlebt. Schon jetzt unvergesslich will ich meinen. Aber mit der Schutzengelkarte kann nix passieren - kannste glauben. Ich fahre morgen zum Baumblütenfest nach Werder- mal sehen ob ich das überlebe :-)
Alles Gute weiterhin und haltet durch und genießt auch die Zeit.
Ganz liebe Grüße
Sandra
Hallo!
Auch ich wünsche Euch für die nächsten Vorhaben viele supernette Leute, angenehmes Wetter und eine nicht enden wollende Sammlung an interessanten und beeindruckenden Erlebnissen unterwegs!
Die Blog-Berichte hier ist mal wieder Susi-like sehr kurzweilig und interessant geschrieben.
Wusste übrigens gar nicht, dass der Berliner HM doch noch zur konditionellen Vorbereitung zählte ;-)
Es grüßen Enrico und im Auftrag auch die anderen Strausberger Kollegen ganz lieb
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