Mittwoch, 6. Mai 2009

die geschichte vom boesen Feiertag...

Hier nun unerwartet schnell eine neue www.moeglichkeit.it, Euch Neues zu berichten.
Keine minutengetreute Nacherzaehlung, trotzdem moechte ich am letzten Kapitel anknuepfen.
Es waren naemlich einmal 2 Pellegrini, nennen wir sie ihrer "Trikot"-Farben wegen Orangeat und Citronat, weil in neongelb und BSR-orange. Die verliessen das letzte 5Terre-Doerfchen Riomaggiore froher Laune auf dem Weg nach Portovenere, eine wie schon erwaehnt ganz entzueckende Strecke, zwar auch bergauf und -ab, aber die Natur hielt fuer die beiden die atemberaubendsten Blicke bereit. es war ein sonniger Tag, nebenbei bemerkt der 1.Mai des Jahres. Alle Welt, so auch hier wurde der Tag der Arbeit zum Feiertag, also ohne Arbeit. Orangeat und Citronat hatten schon eine weite Reise hinter sich an diesem Tag und wollten nach Portovenere nach einem Zimmer Ausschau halten- nicht pompoes oder gross musste es sein, eine klitzekleine Bleibe... als sie jedoch vom Berg herabstiegen mit ihren gewichtigen Rucksaecken, staunten sie nicht schlecht, denn es schien, als ob scheinbar auch alle Welt in dieses sonst so beschauliche Hafenstaedtchen einkehren und UEBERNACHTEN wollte. Sie kannten solche Fuelle sonst nur in einem Kaufland am Freitag, wobei dieser Ort im Vergleich zu diesem Tag nur noch als Totentanzplatz bezeichnet werden koennte. Doch weiter guter Dinge fuhren sie mit dem Schiff in das ihnen empfohlene La Spezia, eine "soooo grosse Stadt mit soooo vielen Zimmern", wie ihnen versichert wurde. Auf dem Boot trafen Orangeat und Citronat auf aeltere Herrschaften, die stolz von ihrer 5-Sterne-Busfahrt mit taeglichen Tagesausfluegen erzaehlten. Orangeat fluesterte zu Citronat "oh nein, wie originell ;-)". Sie gingen vom Schiff und fragten sich durch zur Touriinfo. Doch die hatte geschlossen- es war ja der 1.Mai!!! Egal, dachte sich auch Citronat, gehen wir durch die groooosse Stadt mit den vielen Zimmern und suchen uns ein guenstiges aus. Es war schon nach 18 Uhr.... es wurde 19 Uhr, doch alle Anfragen blieben ohne Erfolg. Ein Hotelier laechelt fast mitleidig und eruaehlte von einem Campingplatz in der Naehe eines Ortes, der in der Naehe sei. Also fuhren die beiden blauaeugigen Pellegrini mit dem Bus bis 3/4 8 abends in den ziemlich verlassenen Ort, doch weit und breit kein Campingplatz. Es wurde langsam dunkel und auch ein nicht ungefaehrlicher Wanderung von ca. 1 km auf der Landstrasse liess sie nicht zu einem Campingplatz kommen, so dass sie ungetaner Dinge umkehren mussten. Es WAR bereits dunkel, denn immerhin schon halb 9 und sie hatten immer noch keine Herberge. Nachdem sie selbst in diesem Ort keine Unterkunft fanden, waren beide nicht nur fast ohne Kraft, sondern auch schon fast ohne Hoffnung. Waehrend alle Welt froehlich in allen Bars und Restaurants den 1.Mai feierten, hatten die beiden Pellegrinis nur einen grossen Wunsch- ein Dach ueber dem Kopf. "So ein Pauschal-5-Sterne-Bus-Urlaub, das waer's jetzt", dachte Orangeat... Aber es ist ja ein Maerchen, und was haben alle Maerchen gemeinsam? Ein glueckliches Ende... Wie durch ein Wunder haben die beiden den allerallerallerletzten Bus aus diesem Kaff "getroffen" und er fuehrte sie... zumindest erstmal raus aus dem aussichtslosen Elend hinein in einen groesseren Ort namens Sarzana. Auch dort wurde ausgelassen gefeiert und auch dort waren saemtliche Hotels und Pensionen mit einem "completo"-schild geschmueckt. Gegen 21:15 klopften Orangeat und Citronat an die Tuer des Convents "San Francesco", bei dem sie trotz vorheriger telefonischer Absage nicht ein, nein zwei Betten angeboten bekamen. So war fuer die beiden Geschoepfe dann der 1.Mai letztendlich auch noch ein Feiertag. Es gab kein schoeneres Geschenk als nach dieser unsicheren Zeit ein Dach und sogar noch ein Bett zu bekommen. So ein erschoepftes Gluecksgefuehl hat man nicht alle Tage.
Inzwischen haben wir die Via Francigena (ab Sarzana) betreten und sind in Lucca gelandet. Es ist ein fantastischer Ort, sodass wir uns heute einen Pausentag gegoennt haben- diese Stadt ist zum Verlieben. Und ausserdem haben wir gleich noch einen Ausflug mit dem Zug nach Pisa gemacht, Tom ist sicherheitshalber gleich heute auf den schiefen Turm gestiegen. Touristisch gesehen faellt der Ort aber auch in die 5Terre-Kategorie... Fotos haben wir auch, aber die Kiste hier ist so langsam- wir lassen es also fuers Erste. Die Fuesse sind auch wieder okay, nach der gestrigen- wir nennen sie Koenigsetappe - "Tortour" von 33 km haben wir heute nur Stadtbummel auf dem Plan gehabt, auch nicht faul, aber immerhin ohne Gepaeck. Von der Sonne ist unsere Haut schon fast ein bisschen runzlig, mal sehen, wie wir am Ende aussehen. Auf dem Weg (von Beginn an) begleiten uns ueberall Salamander (Tom besteht drauf, d.h. wir haben uns geeinigt, hierbei von Dinosauriern zu sprechen), die auf dem Weg lauern...
3 Wochen sind nun vorbei, wir sind schon fast alte Pilgerhasen. Aber so ein Pannetone oder lecker Café oder beides plus Pizza und Vino lassen wir uns trotzdem nicht entgehen- Genusspilger sozusagen. Und ein Genuss ist es auch, von Euch zu lesen, ob per Kommentar oder in sms- vielen Dank- hier wird einem einen Fetzen bisschen bewusst, was Heimat bedeutet... Wir hoffen, Euch allen geht es bestens, ob in Berlin, Istanbul oder... Namibia...Seid alle gegruesst und gedrueckt von Orangeat und Citronat...!

3 Kommentare:

AnMaTaJu hat gesagt…

Mamma mia ... das geht ja hier schlag auf schlag mit den fesselnden wanderstories von euch zwei pellegrinos. wer hätte das gedacht! :)

"Auch mit Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man ein schönes Muster legen!" Meistens verstecken sich hinter diesen unerwünschten "Steinen" die spannendsten erlebnisse, an die man sich noch jahre später zurück erinnert. Also, macht weiter so!

Viel Spaß in der Toscana & trinkt ein leckeres Glas Rotwein für uns mit.

Ciao Maik & Anja :O)

Anonym hat gesagt…

Lars versucht mal 'nen "anonymen" Kommentar, also "anonym nur von wegen mit ohne Anmeldung...
Es macht Spass Eure Berichte zu lesen. Ich versuche mir per GoogleEarth den Weg nachzuzeichnen. Meistens kommt da so ein wenig Fernweh auf. Manchmal aber auch ein wenig Erleichterung, täglich im eigene Bett zu schlafen (speziell beim lesen von "Gewittercamping", ach nein die Geschichte hiess anders...).
Also seid lieb gegrüßt von Anne und Lars

Addi und Fine hat gesagt…

WOW!!! ´Ne Karte aus Italien!!! Juchhuuu!!! Bis zu uns in´n Wald hat sie zwar ´nen paar Tage gebraucht (oder der Nachbar hat sie erst so spät rausgerückt, ist nämlich im dortigen Briefkasten gelandet...) aber dafür: ein Castello!!! Che bello!!! Aus einer Epoche der letzten tatsächlichen klassischen Burgen bevor die frühneuzeitlichen, auf die artilleristischen Neuerungen abgestimmten Befestigungsmanieren....jaaa jaa, ist ja gut Addi, aber vielleicht interessiert´s ja wenigstens Tom! Also: *Brüllmodus ein* DANKE FÜR DIE LIEBE KARTE *Brüllmodus aus*. Da wart ihr ja in den letzten Wochen ganz schön weit....*hüstel*..."spazieren". *grins* Echt spannende Berichte...denkt ihr euch die beide zusammen aus, während ihr im Spa-Bereich des Mailänder Hyatt ein wenig Fango genießt? Nee, im Ernst: Tolle Sache, wat ihr da macht!!! Unsere persönlichen Favoriten: Das Käuzchen nachts im Gewitterregen, der italienische Tag der Arbeit (wat´n Hohn) und das Aussaugen des italienischen Stromnetzes durch Dauer-Fönen. Die sind einfach zu knuffelig nett, die Italiener... Jedenfalls: Weiterhin viel Freude an Landschaft, den Leuten und aneinander, wenig Regen und keine Mücken im Zelt! Esst doch mal eine Eiskugel (Addi mag Schoko, Fine eher Rumtraube...) für uns.

Viele liebe Grüße von "nördlich die Alpen",

Addi & Fine