Buona sera! Auch Joanne K. Rowling lässt 'ne Weile auf neue Harry-Potter-Schinken warten, also bin ich doch mit 3 Wochen Abstand zur letzten Meldung noch echt gut...
Um der Mission "Italien" einen runden Abschluss zu geben, werde ich die letzten 2 Wochen hier kurz wiedergeben: Nach unserem Kurzurlaub vom Pilgern am Bolsenasee (wir haben dreisterweise aus 2 spontan 3 freie Tage gezaubert) fiel es uns und unseren Knochen gar nicht so einfach, wieder in den Tritt zu kommen. Deshalb haben wir nach 3 Tagen Weiterlaufen die ursprüngliche Route des Via Francigena heimlich verlassen, weil der Pilgerweg uns doch tatsächlich einen (laut Karte nicht weit entfernten) ziemlich großen See vorenthalten wollte- und DAS geht nun wirklich nicht! Zumal wir - nach Wälzungen aller Laufbücher und daraus erstellter Bilanz - immer noch gut in der Zeit lagen. Der laut Karte höchstens 1,5 cm kurze Abstecher ging gemeinerweise natürlich wieder ordentlich hoch und runter, als würden wir uns diesen Badegenuss noch durch Extra-An-und-Abstiegspunkte verdienen müssen... pah. Die erhofften 14 km zum Campingplatz IM ORT DIREKT AM SEE entpuppten sich IM ORT letztendlich als "nur" noch 5 km vom Ort entfernt (ja, immer schön häppchenweise ankündigen!!!), dafür aber Tatsache DIREKT AM SEE. Wenn die Füße nur auf 14 km Tagesetappe programmiert sind, können 5 km mehr zum Ding der Unmöglichkeit werden...
Aber SO einen schönen Zeltplatz hatten wir wirklich noch nie- ein Glücksseufzer jagt den anderen. Für diese Quälerei hierher haben wir glatt nochmal 2 Tage Pause eingelegt, denn der Braccianosee hatet auf uns eine Magnetwirkung. Aber dann gings weiter, und: man wird ja dann als Pilger so blöd und unlogisch, dass wir NACH dieser Pause zwar zurück auf den Via Francigena gelaufen sind, aber nicht etwa Richtung Rom, sondern schön noch ein Stückel zurück, damit (durch unseren Umweg) so wenig wie möglich von der ursprünglichen Pilgerwegstrecke verloren geht. Mehrere Leute, denen wir erzählten, dass wir nach Rom pilgern und sie uns ganz entsetzt antworteten, dass wir in die falsche Richtung liefen, bewarfen uns mit unverständlichen Blicken, als wir versuchten, auf italenglisch zu erklären, dass wir diese Strecke nachholen müssten... man ist so langsam aber sicher im Pilgerwahn...
Die letzten Etappen waren weder vom Weg noch von den Orten her attraktiv. Die allerletzte Etappe nach Rom war noch mal eine Art Prüfung oder so: Es hat von morgens an so geregnet wie gestern und heute hier in Berlin (also aus Kannen) und wir durften schön die Straße entlang, wo alle LKW's, Busse und normale Autos zum Fontänebasteln verabredet schienen. Der inzwischen unbezahlbare 3-EUR-Schirm aus Mailand hat uns hier wieder (diesmal seitlich) Wahnsinns-Dienste geleistet. Ein Hochgefühl, wenn man tatsächlich die gesamte Strecke zu Fuss geschafft hat- auch oder gerade, wenn solche harten Proben dabei sind- zumal wie ein Grinsen der Ironie ständig auch Busse nach Rom an uns vorbeifuhren!
Da sind wir plötzlich in Rom... echt fies nur, dass sie es nicht mal geschafft haben, ein (langersehntes) Ortseingangsschild hinzustellen. Ey, da kommen wir extra angelaufen und dann sowas. Naja. 5 Tage vor der planmäßigen Ankunft sind wir also in der Hauptstadt eingefallen und letztendlich glücklich, diese zusätzliche Zeit gehabt zu haben, denn die Befürchtung, dass Rom-Besichtigung uns zuwider wird, ist bereits am 2. Tag komplett verflogen: Rom ist eine Stadt, die platzt bald aus allen Nähten vor lauter Geschichte, Kultur und Kirche- und so etwas aus den Mündern von Museums- und Städtebesichtigungsmuffelkönigen!!! Wir sind schwerst beeindruckt, nicht zuletzt natürlich dadurch, dass wir als Pilger neben der Audienz beim Papst auch den ultimativen Zutritt in die Vatikanstadt und Gespräche mit einem Don (= Pfarrer?) und einem Kardinal hatten. Uns (den aus dem kommunistisch besetzten Berlin Aufwachsenden...) wurde ein kleiner und sanfter Einblick in das Wesen und den Gedanken der Kirche präsentiert und wir sind von der Art der Schilderung schwer beeindruckt. Auch wenn der religiöse Gedanke ursprünglich kein Grund für diese Reise war, bleibt er nicht außen vor- und erst recht nicht in Rom!
Die Stadt selbst ist die hohe Konzentration italienischer Lebensweise: ziemlich laut, leicht chaotisch, aber ansonsten VIEL gelassener. Die Bars mit den leckersten Kaffees der Welt, die kleinen (sogar in Rom viel persönlicheren) Geschäfte, das GELATO und natürlich die Präsenz der Vergangenheit durch Monumente, Statuen, viele alte Steinbrocken, die uns weiß machen sollen, dass hier die Römer drin gebadet, verurteilt, gewohnt oder gekämpft haben... machen Rom zu einer Citta bellissima.
Dass wir bei unserer Abreise am Dienstag uups versehentlich zum falschen Flughafen gefahren sind (auf italienisch heißt doch echt alles irgendwie gleich) und deshalb fast unseren Flug verpasst hätten, verhalf uns zeitweise noch einmal zu hohem Adrenalinspiegel. Aber ein "gekidnappter" Taxifahrer älteren Jahrgangs (ich habe ihn Eddie Ahrendt getauft) hat mit uns gelitten und uns dann aber doch noch rechtzeitig zum richtigen Airport gebracht. Ich glaub, der braucht nun auch erstmal Urlaub...
So, nun ist er rum, der erste Part des Sabbaticals.
Wie's weitergeht, lesen Sie in der nächsten Folge, wenn es wieder heißt:
"Johannisthal auf Welttournee"
bis dahin- ciao!
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen