Die zweite Woche verging schon schneller als die erste. Mein Spanisch fruchtet so dermassen, dass ich zwar wie behindert langsam spreche und ICH solche Sprachschueler wie mich niemals aufnehmen wuerde, weil das Verstehen bestimmt megaanstrengend (weil eben so langsam) ist, aber immerhin sind Fortschritte zu erkennen und ich bin bisher immer (frueher oder spaeter) dort angekommen, wo ich wollte und habe auch noch keine Torte bestellt und Spinat bekommen oder so- also irgendwie laeuft es doch...hihi.
Neben der Schule finden ja nicht soooo viele Reisen statt, aber von einer muss ich doch berichten:
Am Wochenende unternehmen wir- meist die deutschsprachigen Schueler (zum erholen des Kopfes) einen Ausflug- am letzten Sonntag waren wir in Cayambe. Der Ort ist 1,5 Std. von Quito entfernt und die Reise dorthin mit dem Bus ist schon eine suedamerikanische Erfahrung: Der Bus -superbillig trotz RELATIVEN Luxus' (soll heissen keine Plastesitze, dafuer sogar Gardinen)-wird ziemlich vollgestopft, es stinkt nach Abgasen und ob die Bremsen noch so intakt sind, wie man sich wuenscht, bleibt offen. Angekommen, wollen wir den dortigen superbeliebten Stierkampf besuchen. Immerhin, 6 $ Eintritt fuer die oberen Plaetze, ist schon ein Preis fuer diese Gegend. Bevor es anfaengt, herrscht Stadionstimmung: Hotdogs, Zuckerwatte, Militaerblaskapelle und rummtata. Als das Pferd, auf dem der schoene Torrero sitzt, die Augen verbunden hat und schon auf der Strasse kotzt, wundern wir uns zwar ein bisschen, aber es ist doch alles so lustig gestimmt hier, was soll schon sein. Dann treten sie ein, die 6 eleganten Torreros, in saemtlichen Farben ihre Uniform tragend und sehr imposant. Der Stier- ein sportlicher Typ - macht seinen Job auch hervorragend, finde ich: Rennt los, macht ordentlich staub- sieht echt gut aus. Nach 10 min tritt der Torrero auf dem kotzenden Pferd ein und ich kann meinen Augen nicht glauben: Waehrend der Stier immer gegen das mit Metall geschuetzte Pferd (es hat die Augen immernoch verbunden) presst, sticht der Torrero mit einer Lanze mindestens fuer 30 Sekunden in den Nacken des armen Sportsfreunds und ruehrt darin rum, bis ein Stueck Fleisch lose an dessen Ruecken haengt!!! Ja, mir war auch schlecht und Ihr muesst das nur lesen- wir mussten das ANSEHEN!!! Vier von unseren 7 Leuten der Schule haben die Arena verlassen, weil wir so etwas nicht ankucken oder unterstuetzen. Ich muss sagen, ich hatte danach eine Sinnkrise mit mir und dem Rest der Menschheit. Wie koennen die Leute zum Spass Tiere so quaelen??? Aber vorher schoen in die Kirche gehen- da haette ICH kotzen koennen.
Ich war so angewidert, dass sich das auf den kompletten Eindruck von Suedamerika niedergeschlagen hat. Im Prinzip ist das nur ein klitzekleiner Fortschritt von den Arenakaempfen mit Gladiatoren im alten Rom...
Die Leute, die laenger geblieben sind, erzaehlten, dass in der Tat 2 Stiere abgemurkst wurden und noch 4 weitere folgen sollten. Ich bin ja dafuer, dass man dem Torrero die Augen verbindet und Stier und Pferd machen laesst. Ja, sorry. Mir kommts jetzt noch hoch.
Ein bisschen in den Kopf steigt auch der Dreck und der Gestank nach Abgasen hier in der Stadt. Wenn der Bus hier losfaehrt steigt eine schwarze Wolke aus dem Auspuff wie im Trickfilm, Wahnsinn. Dafuer haben sie hier eine Busspur, und die ist noch schaerfer durchgesetzt als von den Gruenen in Berlin: Die Busspur ist naemlich nicht durch eine Linie, sondern ein ca. 30cm hohes Maeuerchen getrennt vom restlichen Verkehr. Sehr hilfreich! Jede Busfahrt ist aber insofern immer wieder spannend, als das man nicht weiss, ob man mit allen Sachen, mit denen man eingestiegen ist, auch wieder rauskommt. Innerhalb einer Woche sind 3 Leute unserer Schueler beklaut worden: Handy, I-Pod, Kamera, noch'n Handy. Alles ist gefragt. Und die Leute sind hier schon echt arm. WIR leben ja im Reichenviertel, aber auch hier verkaufen Kinder in den Bussen Suessigkeiten, stehen jonglierend vor den Autos an der roten Ampel oder sitzen zusammen mit der Mutter, die was auf der Strasse verkauft. Deren Spielplatz ist der Buergersteig. Aber suess sind sie alle mit ihren fastschwarzen Knopfaugen- da moechte man am liebsten zur Kindergaertnerin in Quito werden. Aber keene Angst, da ja die Knopfaugen zu oft von der schwarzen Buswolke verdeckt werden, bleibe ich meiner Heimat treu!!!
Auf Wunsch einer einzelnen Dame in der Heimat moechte ich in DIESEM Reiseteil auch nicht verpassen, von dem Essen hier zu sprechen, wie die Ueberschrift schon vermuten laesst- denn es gibt hier taeglich Reis, Reis oder Reis. Wie eine unserer Lehrerin bemerkte: Eine Mahlzeit ohne Reis ist keine Mahlzeit. Aha. Ich bin ja da nicht so penibel, da sind die Amerikaner schon etwas konservativer: Eine aus unserer Klasse (USA) isst keine Sachen, die man nicht in der Mikrowelle fertig machen kann. Und die Fruchtverkostung am letzten Dienstag (fuer mich SEHR interessant und fast alles neu) war fuer unsere Amitante wohl ein einziger "Slimy"-Day! Sie hat zu allem immer nur "slimy!" gesagt und abgewehrt. Tja. Ich hau bisher alles rein. Wassermelonengrosse Papayas, Baumtomaten (suesslich), Maracuja und frische Litschi sind nur ein paar der Fruechte, die es hier gibt, alle anderen sind eher unbekannt, aber voll lecker!
So, jetzt ist aber Schluss. Fuer mich, denn IHR lest ja jetzt noch den Report aus Schotterland und geniesst die saftigen Bilder. Ich bin ja schon ein bisschen neidisch auf soviel Gruenzeug- hier ist alles staubgruen und sowieso viel karger, weil eben auch hoeher...
Seid gegruesst und gewiss, dass ich es mit Freuden erwarte, von Euch etwas zu hoeren. Denn ein halloele aus der Heimat ist doch das Leckerste, wo gibt...
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3 Kommentare:
Hallo Susi,
liebe Grüße aus der Heimat. Wir haben heute unseren jährlichen Wandertag gemacht. Diesmal in den Spreewald, Thomas war auch anwesend.
Sind mit der Regionalbahn bis Lübbenau gefahren und haben dann eine 4-stündige Kahnfahrt mit einer Stunde Mittagspause gemacht. Den Kahn hatten wir fast für uns alleine. Der Fährmann wollte uns immer wieder Informationen zum Spreewald geben, kam aber nicht gegen unsere Gespräche an. War recht lustig. Das Wetter hat gut mitgespielt, es war ein ähnlich schöner Wandertag wie letztes Jahr nach Warnemünde. Lass es dir weiterhin gut gehen, dich nicht beklauen, fleißig Spanisch lernen und pass gut auf dich auf.
Brigitte.
Hi Suse,
bei den Stierkämpfen geh' ich mit (mit Deiner Meinung). Als ich das erste mal in Spanien war, wollten meine Eltern mich auch zu sowas reinzerren. Ich wollte seinerzeit auch erstmal wissen, ob die Biester getötet werden. Als ich das dann bestätigt bekam, wollt' ich da auch nicht mehr rein.
Übrigens - ein kotzendes Pferd??? Ich war bisher der Überzeugung, das das überhaupt mnicht geht weil die Muskulatur bei Pferden das nicht kann. Naja, ecuadorianische oder ecuadoresische ecuadorenser Pferde sind wohl anders als die anderen.
Gibt's bei Euch eigentlich auch mal Reis zu essen?
Lars
Hola guapita,
Krille me contó algo sobre tu viaje. Naturalmente estoy tan curiosa: Dónde vives en Quito? Y cómo se llama la escuela y qué visitaste hasta hoy?
Saludos carinos desde Alemania,
Tanja
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