Sonntag, 11. Oktober 2009

Ecuador ist nun ein Oldie....

Ha! Jetzt aber mal frueher ein Lebenszeichen von uns zween... Es fehlt ja noch ein kurzer (prust) Abschlussbericht von Ecuador... nachdem wir uns nun schon seit fast 2 Wochen in Peru befinden. Dabei sind eigentlich nur noch 2 Aktionen von Bedeutung: der Versuch, den Cotopaxi, den mit 5.893m zweithoechsten Berg (d.h. Vulkan) in Ecuador zu besteigen und ne coole Rafting Tour diesmal zu zweit und ein bisschen aufregender und wilder... aber von vorn: Zurueck aus Galapagos konnten wir ja nicht einfach so mal eben auf fast 6000 Hoehenmeter umsteigen, sondern der Koerper verlangt schon ein paar Tage der Aklimatisierung. Doch diese Vorbereitungszeit war es uns beiden sowas von wert, denn der Cotopaxi ist unseres Empfindens nach einer der schoensten "Berge", die wir je gesehen haben. Fuer die Frauen und Schokoliebhaber unter uns: er erinnert mich an die Montelinos von Milka, sehr symmetrisch und die Spitze mit einzelnen langgezogenen Auslaeufern mit Schnee bedeckt- Fotos siehe rechts... na jedenfalls wollten wir es einfach versuchen und haben eine Woche nicht nur mit Anwesenheit, sondern teilweise auch mit koerperlicher Betaetigung in Hoehen bis zu 4700m die Tage davor verbracht- gewandert, gewandert und nochmal gewandert... dann war es endlich soweit: am 23.9. startete unsere 2-Tagestour. Wir beide hatten einen Guide fuer uns alleine- das ist so vorgesehen, denn fuer den Fall, dass es auch nur Einem nicht gut geht, muss die ganze "Gruppe" komplett zurueckgehen, und da sollen ja nicht 9 Leute auf einen armen "kranken" Menschen herumhacken. Die erste Etappe fuehrte uns per Auto durch den Nationalpark Cotopaxi, von weitem blickte er, also Herr Cotopaxi, schon ziemlich majestaetisch auf uns herab und wir ehrfuerchtig, ja fast ein bisschen aufgeregt zu ihm herauf. Wenn man sich Tage davor schon mit dem Aufstieg beschaeftigt und darauf hin arbeitet, dann klopft das Herz schon mal etwas schneller, wenn man dann die Aufgabe vor einem herausragen sieht. Tom hat es in diesem Moment schon ganz richtig formuliert: man fuehlt sich ein bisschen wie vor einer Pruefung, es gibt nur eine Chance, man hat geuebt und geuebt, aber nun kommt es auf DIESEN Moment an- Kaffee brauchten wir beide keinen mehr. Auf dem Weg durch den Park haben wir noch ein ecuadorianisches Paerchen mit seinem sechsjaehrigen Enkel aufgegabelt. Als wir mit dem Auto auf einer Hoehe von 4.500m ankamen, war die "Oma" schon ausser Gefecht- Hoehen"krankheit" hatte ihr schon Uebelkeit vom feinsten verschafft. Da waren's nur noch 2 von 5... wir hatten am ersten Tag nur noch eine Hoehe von 300 m zu schaffen, das ging auch relativ problemlos. Schon waren wir im Refugium, unsere Uebernachtungshuette- ohne Feuer, ohne Heizung, mit 3stoeckigen Betten, so dass zu Hochsaisonzeiten hier ungefaehr 50 Leute pennen koennen- heute waren wir aber die einzigen beiden, die sich im Schlafsack vor lauter Kaelte nicht entspannen konnten, geschweige denn schlafen. Gluecklicherweise "durften" wir ja um halb 12 nachts auch schon wieder aufstehen, denn die Besteigung beginnt hier regelmaessig 1 Uhr in der Fruehe. Der Wind pfiff durch das Fenster, dass man denken konnte, kaum aus der Tuer raus, wird man schon wieder an den Fuss des Vulkanviehs gewedelt- aber es hoerte sich schlimmer an als es war... also wir mit unseren ausgeliehenen Winterbergbesteigungsklamotten in ALLEN erdenklichen Farben raus in die Nacht. Beim Sachen aussuchen wollte ich zuerst gegen pinkfarbene Hose fuer Tom und mich plus orangene Jacke und wild gemusterte oder einfach nur schreckliche Muetzen protestieren, dann fiel mir aber ein, dass es erstens dunkel ist, zweitens wir alleine sind und drittens: Hauptsache WARM!!! Der Sternenhimmel von hier aus ist Weltklasse und preisverdaechtig- keine einzige Wolke, die uns die Sicht versperren wollte, hier fuehlt man das klitzekleine Planetchen Erde und das riiiiiieeesig grosse Universum. Quito, 50km entfernt von uns, leuchtete mit seinen Millionen von Lichtern charmant entgegen. Die Motivation der beiden Steinboecke konnte nicht hoeher sein!!! Die ersten eineinhalb Stunden schraubten wir uns auf Sandweg hoch, Schritt fuer Schritt, langsam, denn die Luft ist hier schon merklich knapper als weiter unten und das Herz pocht ordentlich- aber nicht wegen der Aufregung ;-) Der Sandweg ist deshalb muessig, weil wir einsacken und 3 Schritte sich effektiv auf 2 verringern, weil wir staendig runterrutschen- also freuen wir uns auf den festeren Schnee-und Eisteil, bis...ja, bis wir am Schnee- und Eisteil angekommen sind... da wird einem ja schon etwas anders, wenn man die Steigeisen unter den Schuhen hat, der Wind pfeift und es ist dunkel, wir beide sind mit dem Seil und mit dem Guide verbunden, meine Stirnlampe hat schon nach 5min den Geist aufgegeben, so dass wir nur noch eine hinten (Tom) und eine vorne (Guide) haben. Jeder Schritt bedeutet: Kucken, wo man hintritt und dann mit voller Wucht die Eisen in die vereiste Oberflaeche reinhaemmern- wir sehnen uns zurueck zum Sandweg!!! Mit kleinen, aber vielen Pausen wegen Luftmangel wurschteln wir uns durch bis auf 5.300m. Dann kommt er, der Hammer der Natur: Nachdem fuer Tom die Luft schon ziemlich knapp ist, wird ihm auch noch schlecht, und da gibt es keinen Ehrgeiz und keinen Sportsgeist mehr, sondern nur noch eine Antwort: wir kehren um... diesen Fall haben wir natuerlich vorher in unsere Planung mit einbezogen, aber komischerweise ist die Stimmung wegen des Nichterrreichens des Kraterlochs nicht so gedrueckt wie erwartet- eher bin ich nach dem Rueckweg gluecklich, dass nichts Schlimmes passiert ist- unser Guide hat uns da Geschichten von einem deutschen Paerchen erzaehlt, in der SIE auf dem Berg ohnmaechtig geworden ist und der Guide sie zuruecktragen musste, waehrend ihr Freund nicht nur auf dem Rueckweg unbehilflich war, sondern auch nach dem Erwachen der Freundin im Refugium darauf gedraengt hat, nochmal hochzugehen...als das LOGISCHERWEISE vom Guide abgelehnt wurde, wollte er sein Geld zurueck. Wie peinlich fuer uns Landsleute... WIR haben uns jedenfalls erstmal ausgeruht von dieser aufregenden Tour und sind dann vormittags zurueck in die Stadt Latacunga. Tom hat sich dann auch nach einiger Zeit wieder erholt, aber die Kraft der Natur sass uns beiden noch in den Knochen, aber auch im Kopf: hier wird einem klar, dass wir kleinen Hutzelmaennchen mit all unserem Ehrgeiz und festen Willen manchmal einfach nix zu sagen haben, manchmal laechelt uns die Natur mitleidig an und zeigt uns, dass da noch jemand ist, der hat einfach mehr "Muckis" zu bieten! Da kann man nur hoeflich den Hut ziehen und einsehen...ja okay, wir haben verstanden... aber diese einzigartige Erfahrung als auch die Benutzung von Steigeisen war den Ausflug wert. Abends fand hier in Latacunga zu unserer Bespassung die "fiesta de la mamma negra", DAS Fest des Jahres mit Kostuemen, Tanz und viel Alkohol statt. So konnten wir uns noch ein bisschen unterhalten lassen und von dem grossen Kapitel Cotopaxi Abschied nehmen. Am naechsten Tag fuhren wir nach Baños, hier gab's die zweite Disziplin: Rafting. Fuer mich das zweite Mal, aber diese Tour war in der Tat so anders und auf wilderem Wasser, dass ich mich wirklich NICHT gelangweilt habe! Auf der Skala zwischen 1 (Planschbecken) und 6 (garantiert toedlich) haben wir auf Wellen des Levels 4+ mit 4 anderen lustigen Gesellinnen und Gesellen doch schon ziemlich hohe Wellen mitgenommen, manchmal haben sie uns auch mitgenommen... am Anfang ist es schon komisch, wenn man sieht, dass 2 Rettungskajaks mit einem durch die Wellen jachtern (hhhmmmm, SOWAS hatte ich doch beim ersten Mal nicht...???), aber wir haben sie dank unserer Professionalitaet (haha) ja nicht gebraucht. Riesen-Mega-Superspass. Auch hier kriegt man die Kraft der Natur zu spueren, wie blitzschnell aus einem ruhigen Wellenplaetschern adrenalinfressende Babytsunamis (ich nu wieder) werden. Naja, jedenfalls ganz schoen prickelnde Wellen, die einem zeitweise das Boot unterm Hintern wegreissen. Tom war auch froh, dass es keine Kaffeefahrt geworden ist, also hat das genau unseren Geschmack getroffen. Das sollte dann auch die letzte Aktion in Ecuador werden... Von dort aus hat dann die unendlich lange Busfahrt Richtung Suedperu begonnen. Kurzer nerviger Zwischenfall war der beginnende Generalstreik in Ecuador genau am Tag unserer Abfahrt. Die Einheimischen Indigenas haben etliche Strassen mit Baumstaemmen und all so Zeug belagert und die Weiterfahrt blockiert. Wir haben aber kaum Zeitschaden genommen, nur eine Blockade mit ner halben Stunde Wartezeit abgesahnt, bis die Polizei alles fast friedlich im Griff hatte. Es ist zweischneidig: einerseits moechte man ja ohne Probleme und zuegig durchkommen, andererseits kann man die armen Leute verstehen, die was Wirksames dagegen tun muessen, dass der Praesident hier das Wasser privatisieren moechte, das wuerde naemlich unglaublich viel teurer, manchmal vielleicht sogar unbezahlbar fuer die Leute werden. Also jetzt koennen sie streiken, was das Zeug haelt!!! Wollen wir hoffen, dass der Praesident von Peru nicht auf solche Ideen kommt... Ein erneuter Blick ins Ecuador-Album wird sich in Baelde lohnen (findet schon jetzt die 5 neuen... hier sind nicht nur Menschen, auch Maschinen langsamer...)

1 Kommentar:

Dana hat gesagt…

Hallo Ihr Zwei!

Da habt ihr ja tatsächlich schon so schnell wieder was reingeschrieben.

Schön, dass es euch gut geht und ihr diese unvergesslichen Ereignisse nun auch zu zweit erleben könnt. (Gibt mir irgendwie auch ein sicheres Gefühl!)

Ich kann nur immer wieder sagen, dass es fantastisch ist, was du / ihr alles seht und mitmacht.

Die Bilder sind unbeschreiblich.

Genießt die letzten Tage in Südamerika und kommt gesund und munter zurück.

Und dann wird gedrückt und geknuddelt, was das Zeug hält.