Nein, nicht dass wir binnen zwei Wochen von Ecuador durch ganz Peru gehirscht waeren, wir haben nur blogtechnisch etwas gebummelt... Vier ganze Wochen in Peru haben so allerhand Einblicke gegeben und Eindruecke hinterlassen. Die Zeit ist verrannt wie ueblich und wenn man sich vorstellt, dass wir eigentlich nur durch den Sueden gereist sind, dann wird einem bewusst, wie gross das hier so alles ist bzw. was es alles zu besuchen, sehen, tun gibt. Mit relativ kurzem Stopp (1 Tag Trujillo- fuer mich ja nun schon zum dritten Mal...) sind wir vom Sueden Ecuadors durch Nordperu gebusst, haben wir Lima kurz gekreuzt (1,5h Aufenthalt bis zur naechsten Busfahrt, hier gibt es ja auch nicht allzuviel zu sehen, was einem Freude bereiten koennte) und den ersten exzessiven Halt mit einer Uebernachtung in Pisco gemacht. Diese Stadt kennzeichnet sich nicht nur durch den (welt?)beruehmten hochprozentigen Pisco, in Cocktailform auch als Pisco Sour erhaeltlich, sondern auch durch das Erdbeben im Jahr 2007 und dessen immernoch sichtbaren Schaeden (als waere es vor einem Monat gewesen). So trug es sich zu, dass unser Lonely Planet vom Maerz 2007 von tollen Hostals und Restaurants schrieb, die wir nach Auskunft des Taxifahrers erstmal nach und nach streichen konnten, weil die ja schon laengst nicht mehr stehen, eben wegen des traurigen Events. Obwohl fuer Touristen daher nicht mehr attraktiv, ist es doch ein selten eindringliches Gefuehl, durch eine Stadt zu gehen, die zu 85% zerstoert wurde, und deren Bewohner mit allen mickrigen Mitteln versuchen, seit gut 2 Jahren wieder irgendwas aufzubauen. Dank der Korruption, die hier wie im Bilderbuch funktioniert, haben von den finanziellen Mitteln des Landes die Einwohner hier kaum etwas gesehen. Dafuer seien die Verantwortlichen nun mit neuen Haeusern und Autos und so´n Kram ausgestattet. Sehr aufwuehlend. DAS mussten wir erstmal mit dem oben erwaehnten Pisco Sour runterspuelen- zu fuenft im Hostal haben wir unsere eigene Pisco-Lemon-Zucker-Eis-Mischung gezaubert und dank Tom, dem Eierhasser, die traditionelle Zutat "rohes Eiweiss" einfach mal weggelassen- gar nicht uebel! Von Pisco aus kann man (so auch wir) eine ziemlich touristische Tour zu Inseln machen, die von Millionen von Voegeln, aber auch von Seeloewen (schon wieder? - aber natuerlich ne GAAANZ andere Rasse!!!) und Pinguinen bevoelkert wird. Die hiesige Vogelkacke ist bzw. war weltweit bekannt und beliebt: das bestialisch stinkende Zeug wird als hervorragender Duenger (schon mal was von Guano gehoert?) genutzt. Naja, ich bevorzuge da lieber Blaukorn... Weiter ging es nach Ica (noch suedlicher an der Kueste), genauer gesagt nach Huacachina. Die ehemalig fuer die hohen Tiere des Landes geschaffene Oase mitten in der Wueste ist nun die Hochburg fur Sandbuggy- und Sandboarding-Touristen. Also hin da und gleich eine solche Veranstaltung mitgemacht! Sandbuggyfahren ist wie Achterbahn nur mit Wueste unter dem Hintern. Was man da fuer Huepfer macht und welche steilen Abhaenge man mit dem Ding nehmen kann, ohne sich zu ueberschlagen, grenzt an physikalische Raetsel- MEINER Meinung nach. Tom fand's ja auch ganz cool, hat natuerlich nicht so geschrieen wie ich.
Aber als sich der Fahrer mitten im Fahren dann ploetzlich AUCH angeschnallt hat, da wurde es auch fuer Tom ziemlich spannend. Zwischendurch kamen wir noch in den Genuss von Sandboarding- wenn der Winterurlaub schon ausgefallen ist- auch hier kostet es einige Ueberwindung, sich irre steile Sandduenen baeuchlings mit Kopf nach vorne! runterzustuerzen. Schreien sollte man dabei dann lieber nicht, sonst hat man den Mund voll, also nur Augen aufreissen und nach innen bruellen- aber nicht zu knapp! Meine Guete, dass war Adrenalin pur.
Die Landschaft an der Kueste Perus ist mehr Wueste als alles andere, und zwar kann man behaupten von Norden bis Sueden- mal flacher Sand, aber eben hier richtige Sandberge- so stell ich mir die Sahara vor. Unglaublich, welche Natur uns hier erwartet hat. Diese Oase ist wirklich zum rumhaengen gedacht, Hostals mit Haengematten sind hier ueblich. Gern waeren wir noch geblieben, aber schliesslich beherrscht einen das Programm (meistens) und so zogen wir weiter nach Nazca, denn hier sind laienhaft beschrieben ein paar Figuren in den Sand gekritzelt, die der ganzen Welt bis heute Raetsel aufgeben. Nun ja, denn wird das auch wohl nuescht mehr, seit 80 Jahren denken sie und denken sie, die Wissenschaftler. Aber Hauptsache, man kann sie ankucken- und das auch noch mit ner einmotorigen Propellermaschine (fuer sage und schreibe nicht 6, nicht 5, nein: VIER Passagiere!!!). Das bedeutete: vorher kein Fruehstueck, das waere glatte Verschwendung, denn die Kreise, die das Flugzeug dreht, sind nicht von schlechten Eltern. Es ging aber alles gut und war sogar noch beeindruckend, das Fliegen UND auch die Bilder am Boden- obwohl die inzwischen schon etwas unkenntlicher geworden sind. Tom sass neben dem Piloten und da wurde sein Flugwunsch wieder wachgeruettelt- ach herrje. In mir wurde waehrend des gleichen Tages hingegen der Wunsch nach kuerzeren Haaren immer dominanter, sodass ich letztendlich in einem von etlichen Marktfriseurschuppen landete und mir fuer 6 Sol (= 1,50 EUR) eine Frisur hab verpassen lassen, die Tom zunaechst in nen halben Wutanfall versetzt hat (darauf hin hat er sich ebenfalls unter die Schere gesetzt), mir aber anfangs schon ganz gut und inzwischen (nach 2 Wochen) noch besser gefaellt. FRISCH FRISIERT und mittelschoen gelaunt konnten wir also in den Nachtbus weiter nach Arequipa steigen...
Diese Stadt, ebenfalls an der Kueste, ist die zweitgroesste Perus und sehr schoen anzusehen. Neben ein paar Besichtigungen geht fuer Nahrungssuche, die den Anspruechen gerecht wird und organisatorisches eine MENGE Zeit drauf. Moechtest du eine Tour durch den Colca Canyon machen? KEIN Problem: hunderte von Agenturen warten nur darauf, diesen Wunsch in deinen Augen abzulesen und dich mit Angeboten zu belagern bzw. bei Preisanfrage erstmal bitten, Platz zu nehmen und (egal, wie oft du es schon gehoert hast, das Programm) alles von vorn bis hinten runterzurasseln. Der Lonely Planet ist in diesem Punkt eher ein Stein im Weg, das steht mal fest. Denn die einzige Agentur, die vom L.P. als vertrauenswuerdig eingestuft wurde (die anderen werden ohne Namen als windig abgestempelt) nimmt mehr als das 5fache als alle anderen Agenturen und ist dazu (oder deswegen) noch oberarrogant!!! Das mussten wir einfach boykottieren- mit einem etwas mulmigen Gefuehl haben wir uns (nach stundenlanger Recherche- wir haben es uns wirklich nicht leicht gemacht) fuer eine der angeblich "windigen" Agenturen entschieden und waren daher um so (an)gespannter, wie die naechsten 3 Tage durch ein landschaftlich wunderschoenes Gebiet werden wuerden. Und ich fasse mich hier mal kurz: die drei Tage waren soooo wundervoll, dass eine weitere Hausaufgabe noch sein wird, dem Lonely Planet mal einen kleinen Text zu schreiben und allen kuenftigen Touristen DIESEN Zeit- und Geldaufwand zu ersparen. Der Colca Canyon ist bis zu 3200 m der zweittiefste Canyon der Welt (von wegen GRAND Canyon...nur 1800m)! Lebensraum fuer Kondore, majestaetisch in und ueber der Schlucht fliegend- die atemberaubendste Kulisse, die man sich fuer dieses Schauspiel vorstellen kann. Abstieg in den Canyon, Wanderung im Tal, Uebernachtung im Paradies, wie sich eine Oase im Canyon zu recht nennt, und Aufstieg waren ein Naturgenuss ohne Grenzen. In dieser Tour lernten wir noch ein deutsch-griechisches Paerchen kennen, mit denen wir noch den einen oder andere gemuetliche Zeit verbracht haben, nicht nur in Arequipa, sondern (wir hatten die aehnliche Reiseroute) auch in Cusco, ja sogar zwischen den 2000 Besuchern von Maccu Pichu trifft man sich... die Welt ist eben echt so klein. A pros pos Cusco: das war unser naechstes Ziel, aber DAS ist dann schon die zweite Halbzeit!Fortsetzung folgt...
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2 Kommentare:
Wenn das so weitergeht mit den Reiseberichten... besorge ich mir naechstes Jahr auch eine Fernfahrkarte! Sandduenen auf dem PC als Bildschirmschoner sind ja auch ganz schoen, aber vielleicht sollte man im Leben doch mal eine gesehen haben? Oder eins von den anderen Weltteilen, die es nach Deine Berichten wirklich gibt. Ich wuensche Euch weiterhin Gute Reise auf unserem blauen Planeten!
Viele Gruesse, Papa
Hallo Ihr Zwei,
ich lese fleißig Eure Berichte und bin sehr beeindruckt. Sogar mit so einer kleinen Maschine seit ihr geflogen. Und diese Naturbilder - sieht schon wirklich fantastisch aus. Da bekomme ich doch gleich fernweh- obwohl ich gerade nach 6 Wochen China wieder zurück bin. War überigens auch toll. Naja Susi, dann beim nächsten Sabbatical :-)
Weiterhin Euch noch eine tolle Zeit - passt gut auf Euch auf und genießt es!
Viele Grüße aus dem verregneten Berlin sendet Euch Sandra
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